Eystrup. In der historischen Senffabrik Leman in Eystrup arbeitet er noch: der letzte Essigbildner Europas, der nach traditionellem biologischem Verfahren Essig herstellt. Ein gewaltiges Holzfass, zusammengehalten von Eisenringen, in dem Alkohol mithilfe von Essigbakterien langsam zu mildem Essig reift. Doch genau diese Säure bedroht nun seine Existenz.
Die Eisenbänder, die den bis zu 60.000 Liter fassenden Bildner zusammenhalten, sind durch Korrosion schwer beschädigt. An einigen Stellen sind sie bereits notdürftig verschweißt. Wird nicht bald gehandelt, droht der Stillstand – mit gravierenden Folgen. Denn einen stillgelegten Essigbildner wieder in Betrieb zu nehmen, würde mindestens 250.000 Euro kosten. Allein der Austausch der Ringe liegt bei rund 40.000 bis 45.000 Euro.
„Es ist ein einzigartiges Stück Handwerksgeschichte“, sagt Wolfram-Wernher Köhr von der Interessengemeinschaft Industriedenkmal Senffabrik Leman. Neben einem stillgelegten Exemplar in Wien seien die beiden Bildner in Eystrup die letzten ihrer Art. Der hier produzierte Essig gilt als besonders mild und ist die Grundlage für den traditionellen Eystruper Senf, auf dessen Rückkehr viele Kunden warten.
Da öffentliche Fördermittel kaum zu erwarten sind, setzt die Interessengemeinschaft nun auf Spenden. Über eine Online-Kampagne soll das Geld für die dringend nötige Reparatur gesammelt werden. Gelingt das nicht, könnte ein europaweit einzigartiges Industriedenkmal unwiederbringlich verloren gehen.
