Wedel. Auf dem seit Jahren brachliegenden Possehl-Gelände an der B431 in Wedel bahnt sich eine entscheidende Wende an: Statt Supermarkt, Kino oder Baumarkt plant nun die DHL Group den Bau eines großen Paketzentrums. Der Logistikkonzern hat das Grundstück nach Angaben der Stadt bereits im Dezember 2025 vom bisherigen Eigentümer May & Co-Development erworben.
Damit liegt die Entscheidung über die künftige Nutzung formal beim neuen Eigentümer. Da der geltende Bebauungsplan eine gewerbliche Nutzung vorsieht, dürfte das Projekt baurechtlich zulässig sein – der politische Spielraum der Stadt ist entsprechend begrenzt. Am 10. März soll das Vorhaben im Planungsausschuss öffentlich vorgestellt werden. Zuvor waren die Beratungen überwiegend nicht öffentlich geführt worden.
Bevor gebaut werden kann, müssen die maroden Bestandsgebäude abgerissen werden. Auf dem Areal, das seit dem Scheitern mehrerer Investitionspläne – unter anderem eines Obi-Baumarkts – als städtebaulicher Missstand gilt, soll nun ein modernes Verteilerzentrum entstehen. Die Stadt begrüßt die Entwicklung ausdrücklich. Eine neue Nutzung sei seit Jahren erklärtes Ziel, auch um die unattraktive Stadteingangssituation aufzuwerten.
Parallel rückt ein sensibles Thema in den Fokus: Auf dem Gelände erinnert ein Gedenkstein an die Opfer eines Außenlagers des Konzentrationslagers Neuengamme. Die Wedeler Grünen fordern im Zuge der Neubebauung eine Verlegung des Mahnmals in einen ruhiger gelegenen, öffentlich zugänglichen Waldbereich des Areals. Derzeit befindet sich der Stein unmittelbar an der stark befahrenen Bundesstraße – auf engem Raum, begleitet von Verkehrslärm und Abgasen.
Ziel sei es, einen würdigen Ort des Gedenkens zu schaffen, der auch für Schulklassen zugänglich ist und Raum für Informationstafeln bietet. Nach Angaben der Stadt wurde das Thema bereits mit DHL erörtert – mit dem gemeinsamen Ziel einer gestalterischen Aufwertung der Gedenkstätte.
Für Wedel könnte das Projekt nach Jahren des Stillstands einen wirtschaftlichen Impuls setzen. Gleichzeitig steht die Stadt vor der Aufgabe, wirtschaftliche Entwicklung und historische Verantwortung miteinander in Einklang zu bringen.
