Bugenhagenhaus in Preetz vor dem Abbruch

Preetz. Nach monatelangen politischen Auseinandersetzungen ist die Entscheidung gefallen: Das Bugenhagenhaus in Preetz wird abgerissen. Der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt hat damit einen Schlussstrich unter eine kontrovers geführte Debatte gezogen, die die Kommunalpolitik über Monate hinweg beschäftigt hat. Während Teile der Politik und Zivilgesellschaft das ehemalige Kirchengebäude als Begegnungs- und Veranstaltungsort erhalten wollten, setzte sich am Ende die Linie der Verwaltung durch, die auf Abriss und Neubau drängt.

Ausgangspunkt der Diskussion waren drei von der Verwaltung vor den Sommerferien vorgestellte Varianten für eine zukünftige soziale Nutzung des Grundstücks. Zwei dieser Varianten sahen ausdrücklich den Abriss des Bugenhagenhauses vor: entweder zugunsten eines Neubaus für eine städtische Kindertagesstätte oder im Verbund mit dem benachbarten Grundstück des Bauunternehmens Cordes Haus für ein mehrgeschossiges Gebäude mit Kita und Wohnnutzung. Die dritte Option – der Erhalt des Bestandsgebäudes mit Sanierung und Nutzung für Veranstaltungen – wurde frühzeitig verworfen und ist nun endgültig vom Tisch.

Bereits damals hatte der Vorsitzende des Ausschusses, Fechner, eine klare Richtungsentscheidung eingefordert. Man müsse Mut zeigen und zunächst die Grundsatzfrage beantworten: Abriss – ja oder nein. Genau diese Frage wurde nun mit einem eindeutigen Votum beantwortet.

Mit dem Abrissbeschluss wird das Bugenhagenhaus der Öffentlichkeit vorerst nicht mehr zur Verfügung gestellt, obwohl es vereinzelt Anfragen für eine Anmietung gab. Eine Nutzung hätte eine formelle Benutzerordnung und eine Nutzungsvereinbarung erfordert, die von der Ratsversammlung zu beschließen gewesen wären. Die Verwaltung argumentiert, dass mit der Abrissentscheidung weitere laufende Kosten vermieden werden: Heiz- und Energiekosten, Wartung, Schornsteinfegerarbeiten, Dachreparaturen und Grundstückspflege. Teile der Beleuchtung seien bereits demontiert worden.

Stattdessen richtet sich der Blick nun nach vorn. Verwaltungsseitig wird vorgeschlagen, am Standort einen Neubau für eine großzügig dimensionierte Kita zu errichten, möglicherweise ergänzt um einen Versammlungs- oder Veranstaltungsraum. Der Bedarf sei vorhanden: Die städtischen Kitas „Kleine Bunte Kiste“ und „Kita Hufenweg“ gelten aufgrund ihrer baulichen Struktur als perspektivisch nicht mehr zeitgemäß. Hinzu kommt, dass der Erbbaurechtsvertrag für die „Kleine Bunte Kiste“ in etwa zehn Jahren ausläuft.

Allein zur Kompensation wären laut Verwaltung vier Ü3-Gruppen mit insgesamt 75 Kindern erforderlich. Zwar stehen derzeit „nur“ zwölf Ü3-Kinder auf der Warteliste bis Ende Juli 2026, doch entspreche nicht jeder vorhandene Kitaplatz den Bedürfnissen der Familien, etwa in Bezug auf Betreuungszeiten. Deutlich angespannter ist die Lage bei den Krippenplätzen: Hier warten aktuell 14 Kinder auf einen Platz.

Der Neubau einer Kita mit sechs Gruppen, ergänzt um einen multifunktionalen Bewegungsraum und einen Veranstaltungssaal, wird auf mindestens sechs bis sieben Millionen Euro geschätzt. Demgegenüber stehen Abrisskosten von rund 120.000 Euro. Die Freie Wählergemeinschaft Preetz brachte durch ihren Fraktionsvorsitzenden Wolf Bendfeldt den Vorschlag ein, die Selbstverwaltung bei der weiteren Entscheidungsfindung zur künftigen Nutzung des Grundstücks eng zu begleiten.

Mit dem Abriss des Bugenhagenhauses endet ein Stück Stadtgeschichte – und zugleich beginnt die nächste Phase einer Debatte, die sich nun weniger um Erhalt oder Abriss dreht, sondern um die konkrete Ausgestaltung der sozialen Infrastruktur in Preetz.

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