Altes Bergwerk wird zum Winterquartier für Fledermäuse

Ein ehemaliger Bergwerksstollen im Harz hat eine ungewöhnliche neue Funktion gefunden: Er dient Fledermäusen als geschütztes Winterquartier. In dem alten Stollensystem wurden bereits sechs verschiedene Fledermausarten nachgewiesen. Damit wird ein aufgegebenes Zeugnis der Bergbaugeschichte zugleich zu einem wichtigen Lebensraum für bedrohte Tiere.

Alte Bergwerksstollen bieten Fledermäusen genau das, was sie während der kalten Jahreszeit benötigen: Dunkelheit, Ruhe und vergleichsweise konstante Temperaturen. Während des Winterschlafs fahren die Tiere ihren Stoffwechsel stark herunter und sind deshalb besonders empfindlich gegenüber Störungen.

Dass ausgerechnet ein ehemaliger Bergbaustandort heute dem Artenschutz dient, zeigt die ungewöhnliche Entwicklung vieler aufgegebener Industrieanlagen. Was früher für die Rohstoffgewinnung angelegt wurde, wird nach Jahrzehnten des Stillstands zu einem Rückzugsort für die Natur.

Solche Stollen besitzen damit einen doppelten Wert. Sie dokumentieren die Geschichte des regionalen Bergbaus und übernehmen gleichzeitig eine wichtige ökologische Funktion. Vergleichbare ehemalige Bergwerke werden inzwischen gezielt für den Fledermausschutz gesichert. Im Bayerischen Wald etwa besitzt das Stollensystem des Silberbergs eine herausragende Bedeutung als Winterquartier für mehrere Fledermausarten.

Der verlassene Bergwerksstollen ist damit ein Lost Place der besonderen Art. Menschen haben ihn aufgegeben – die Natur hat ihn längst neu besetzt. Statt weiterer Nutzung oder eines vollständigen Verschlusses steht heute der Schutz seiner tierischen Bewohner im Mittelpunkt. Gerade für den Umgang mit aufgegebenen Bergbauanlagen liefert das Beispiel eine wichtige Erkenntnis: Nicht jeder verlassene Ort muss verschwinden. Manche Ruinen werden zu wertvollen Rückzugsräumen, wenn der Mensch sie einfach in Ruhe lässt.

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