Nothilfe für den Bahnhof Seifhennersdorf

Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Mittring
Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Mittring

Seifhennersdorf. Der historische Bahnhof Seifhennersdorf in Sachsen soll vor dem endgültigen Verfall bewahrt werden. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellt aus ihrem Nothilfeprogramm 50.000 Euro für dringend notwendige Sicherungsarbeiten bereit. Im Mittelpunkt stehen die Dacheindeckung und Zimmermannsarbeiten am Dachstuhl. Die Förderung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Das denkmalgeschützte Bahnhofsensemble steht seit vielen Jahren leer und weist erhebliche Schäden auf. Mit der Notsicherung soll zunächst verhindert werden, dass weitere Teile der historischen Bausubstanz verloren gehen.

Einst wichtiges Zentrum der Textilindustrie

Der Bahnhof entstand in den 1870er Jahren an der Nebenstrecke zwischen Zittau, Seifhennersdorf und Eibau. 1910 wurde das Gebäude um einen weiteren Gebäudeteil ergänzt. Seifhennersdorf entwickelte sich während der Blütezeit der regionalen Textilindustrie zu einem bedeutenden Wirtschaftsstandort. Der Bahnhof war dabei weit mehr als eine reine Station für Reisende. Er diente als Umschlagplatz für Personal und Waren und war zugleich ein wichtiger Treffpunkt im Ort. Die Dimensionen des damaligen Bahnverkehrs verdeutlichen die Bedeutung des Standorts: In den Hochzeiten der Textilindustrie kamen täglich rund 4.000 Arbeiter am Bahnhof an oder fuhren von dort zu ihren Arbeitsplätzen.

Jahrzehntelanger Leerstand hinterließ deutliche Spuren

Noch bis in die 1990er Jahre wurde der Bahnhof von Zügen in Richtung Zittau und Eibau bedient. Nach der politischen Wende wechselte das Gebäude in private Hände. In den folgenden Jahren blieb eine grundlegende Instandhaltung jedoch aus. Während eines rund 20 Jahre dauernden Leerstands verschlechterte sich der Zustand des Ensembles zunehmend. Vandalismus setzte dem historischen Gebäude zusätzlich zu. Auch notwendige Verkehrssicherungsmaßnahmen wurden nach Angaben der DSD nicht durchgeführt.

Brandstiftung verschärfte die Situation

Im Sommer 2023 wurde das bereits stark geschädigte Gebäude durch einen Brand im Mittelteil weiter beschädigt. Eine anschließende Notsicherung blieb aus. Damit wuchs die Gefahr, dass der Bahnhof nicht nur seine Nutzung, sondern auch seine historische Substanz verlieren könnte. Insbesondere die Schäden am Dach und Dachstuhl machten nun ein schnelles Eingreifen erforderlich. Die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bereitgestellten 50.000 Euro sollen deshalb zunächst die dringendsten Sicherungsmaßnahmen ermöglichen.

Bürgerinitiative engagiert sich für den Bahnhof

Eine wichtige Rolle bei der Rettung des Baudenkmals spielt die Bürgerinitiative Bahnhof Seifhennersdorf e.V. Sie setzt sich für den Erhalt des historischen Ensembles ein. Am 22. August 2026 soll die DSD den Fördervertrag offiziell vor Ort übergeben. Empfänger ist Thomas Oertner von der Bürgerinitiative. An dem Termin wird auch Seifhennersdorfs Bürgermeisterin Mandy Gubsch teilnehmen. Der Bahnhof Seifhennersdorf steht beispielhaft für zahlreiche historische Bahnbauten, die nach dem Rückgang des Schienenverkehrs ihre ursprüngliche Funktion verloren haben. Besonders problematisch wird die Situation, wenn jahrelanger Leerstand mit fehlender Instandhaltung und Vandalismus zusammentrifft.

Die nun geförderte Notsicherung kann den weiteren Verfall zumindest bremsen und Zeit für eine langfristige Perspektive schaffen. Für Seifhennersdorf bedeutet die Rettung des Bahnhofs zugleich den Erhalt eines wichtigen Zeugnisses der Industrie-, Verkehrs- und Ortsgeschichte.

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