Ehemaliger Siechhof erhält Hilfe für Notsicherung

Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Siebert
Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Siebert

Eichstätt. Der historische Siechhof am Stadtrand von Eichstätt erhält dringend benötigte Unterstützung. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellt 50.000 Euro für die Notsicherung der ehemaligen Kapelle bereit. Das Geld soll vor allem dazu beitragen, die statisch gefährdete Bausubstanz zu stabilisieren und weitere Schäden an dem außergewöhnlichen Denkmalensemble zu verhindern. Die Förderung wird durch private Spenden und Mittel der Lotterie GlücksSpirale ermöglicht. Die Arbeiten konzentrieren sich zunächst auf besonders gefährdete Bereiche der Kapelle. Vorgesehen sind Sicherungsmaßnahmen am Fundament sowie Arbeiten am Gewölbe. Damit soll verhindert werden, dass sich die bereits vorhandenen Schäden weiter ausbreiten und wertvolle historische Bausubstanz verloren geht.

Kapelle leidet unter Setzungen und Feuchtigkeit

Der Zustand des historischen Sakralbaus ist problematisch. Außen- und Innenwände weisen Verformungen und Setzungen auf. Gleichzeitig setzen eindringende Feuchtigkeit sowie Schäden am Dach und Mauerwerk dem Gebäude zu. Auch erhaltene Fragmente historischer Wandmalereien sind dadurch bedroht. Die Kapelle zeigt sich heute in ihrer im 17. Jahrhundert geprägten Gestalt. Der Saalbau besitzt einen eingezogenen Altarraum, ein Kreuzgewölbe und charakteristische Schmuckgiebel. Im Inneren haben sich Teile der historischen Wandmalereien erhalten – Zeugnisse, die durch die statischen Probleme und die Feuchtigkeit besonders gefährdet sind.

Einzigartiges Leprosorium aus dem Mittelalter

Der Siechhof gehört zu den außergewöhnlichsten historischen Anlagen Eichstätts. Seine Geschichte reicht bis ins frühe 14. Jahrhundert zurück. Bereits 1307 wurde die Einrichtung erstmals als „domum leprosorum“, also als Haus für Leprakranke, urkundlich erwähnt. Das Ensemble umfasst das ehemalige Leprosenhaus, ein Benefiziatenhaus, die heute nicht mehr sakral genutzte Kapelle St. Lazarus und St. Magdalena sowie ein langgestrecktes Wirtschaftsgebäude. Besonders bedeutend ist der außergewöhnlich geschlossene Erhaltungszustand der gesamten Anlage. Der ehemalige Siechhof gilt als einzige vollständig erhaltene spätmittelalterliche Anlage eines Leprosoriums in Deutschland und besitzt deshalb den Rang eines Denkmals von nationaler Bedeutung.

Bereits im vergangenen Jahr wurde geholfen

Die aktuelle Förderung ist nicht die erste Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für den Eichstätter Siechhof. Bereits 2025 stellte die Stiftung 35.000 Euro für ein Schutzdach über dem stark gefährdeten Leprosenhaus bereit. Die Konstruktion soll die historische Holzkonstruktion sowie erhaltene Ausstattungsreste und Wandmalereien vor weiterer Witterung schützen. Damit verfolgt die Denkmalpflege einen schrittweisen Rettungsansatz: Zunächst müssen die besonders gefährdeten Bauteile gesichert werden, bevor eine umfassende und langfristige Sanierung möglich wird.

Leprosenhaus bewahrt seltene historische Konstruktion

Auch das unmittelbar angrenzende Leprosenhaus besitzt einen hohen bauhistorischen Wert. Es zählt zu den wenigen noch erhaltenen Jurahäusern des späten Mittelalters. Typisch sind die massive Bruchsteinbauweise, kleine Fenster und die flach geneigten Dächer mit traditionellen Kalkplatten, dem sogenannten Legschiefer. Durch die bisherigen Notsicherungen konnten bereits historische Dachkonstruktionen, Wandmalereien und weitere originale Bauteile vor dem Verlust bewahrt werden. Der Erhalt dieser Substanz ist entscheidend für die historische Aussagekraft des gesamten Ensembles.

Zukunft des Siechhofs bleibt offen

Trotz der akuten Sicherungsarbeiten soll der Siechhof langfristig nicht als ungenutztes Denkmal bestehen bleiben. Für die leerstehende Anlage sind künftig Wohnnutzungen und kulturelle Angebote vorgesehen. Auch die ehemalige Kapelle soll in ein neues Nutzungskonzept einbezogen werden. Die aktuellen Arbeiten sind damit ein wichtiger Zwischenschritt: Sie sollen zunächst Zeit gewinnen und verhindern, dass die historische Substanz durch weitere statische und witterungsbedingte Schäden unwiederbringlich verloren geht. Der Eichstätter Siechhof steht damit beispielhaft für die schwierige Aufgabe, hochrangige historische Bausubstanz zu sichern und gleichzeitig eine tragfähige Perspektive für ihre künftige Nutzung zu entwickeln.

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