Wustrow. An der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern erinnert ein heute weitgehend verfallenes Areal an eine Zeit, in der bestimmte Orte für die Bevölkerung unerreichbar waren. Zu DDR-Zeiten gehörte das Gelände zu einem abgeschirmten Bereich, der nur einem eng begrenzten Personenkreis zugänglich war. Stacheldraht und Sicherheitsvorkehrungen machten aus dem Küstenabschnitt eine abgeschottete Welt. Nach dem Ende der DDR verlor der Standort seine ursprüngliche Funktion. Was einst geschützt und streng bewacht wurde, blieb teilweise sich selbst überlassen. Gebäude und Anlagen verfielen, die Natur eroberte Teile des Geländes zurück. Heute vermittelt der Ort den Eindruck einer verlassenen Siedlung – und macht gleichzeitig ein Stück DDR-Geschichte sichtbar.
Der besondere Reiz des Areals liegt in seiner widersprüchlichen Vergangenheit: Die Ostseeküste stand für Urlaub und Erholung, bestimmte Abschnitte waren für normale DDR-Bürger jedoch tabu. Abgeschirmte Einrichtungen dienten unter anderem staatlichen Stellen und privilegierten Personenkreisen. Damit wurde aus einem eigentlich öffentlichen Küstenraum ein abgeschotteter Bereich. Heute stellt sich die Frage, was mit solchen historischen Orten geschehen soll. Zwischen Denkmalschutz, Naturschutz und den hohen Kosten einer Sanierung stehen viele ehemalige DDR-Sperrgebiete vor einer ungewissen Zukunft. Der Verfall lässt zwar Geschichte sichtbar werden, vernichtet aber zugleich unwiederbringlich originale Bausubstanz.
Das Areal ist damit mehr als eine verlassene Ruine. Es steht exemplarisch für die abgeschottete Welt der DDR und die privilegierten Rückzugsorte des damaligen Staates. Hinter dem Stacheldraht ist diese Vergangenheit noch immer ablesbar – doch mit jedem weiteren Jahr des Verfalls verschwinden weitere Spuren.
