Lindenberg. Auf dem Bergfriedhof im bayerischen Lindenberg steht eine wichtige Sanierungsmaßnahme an: Das historische Schindeldach der Aussegnungshalle soll instandgesetzt und möglichst originalgetreu wiederhergestellt werden. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) unterstützt das Vorhaben mit einem Förderbetrag von 30.000 Euro. Die Finanzierung wird durch private Spenden sowie Mittel der Lotterie GlücksSpirale ermöglicht. Im Mittelpunkt der Arbeiten steht die Erneuerung des stark beanspruchten Dachwerks einschließlich der Neueindeckung. Ziel ist es, die charakteristischen Details des Bauwerks zu bewahren und die Aussegnungshalle wieder näher an ihren ursprünglichen Zustand heranzuführen.
Bergfriedhof als Gesamtkunstwerk aus Architektur und Landschaft
Der Bergfriedhof in Lindenberg entstand zwischen 1969 und 1971. Die Anlage wurde auf einem natürlichen Höhenrücken als modellierter Landschaftsgarten angelegt. Geschwungene Wege, gezielt gestaltete Geländestrukturen und organisch wirkende Baukörper bilden dabei eine bewusst aufeinander abgestimmte Einheit. Die Aussegnungshalle nimmt innerhalb dieses Ensembles eine zentrale Stellung ein. Der massive Bau öffnet sich sichelförmig zu seinem Vorplatz und verbindet eine Holzkonstruktion mit einem überdachten Freibereich. Charakteristisch ist vor allem das weit ausladende, mit Holzschindeln gedeckte Dach. Zum Ensemble gehören außerdem ein freistehender Glockenturm an der höchsten Stelle des Höhenzugs sowie eine Brunnenanlage aus behauenen Steinquadern und Muschelkalk. Der Glockenturm besitzt ein offenes Tragwerk und ein markantes, keilförmiges Schindeldach.
Komplexe Holzkonstruktion erschwert den Erhalt
Gerade die handwerklich anspruchsvolle Gestaltung der Schindeldächer trägt wesentlich zum besonderen Erscheinungsbild des Bergfriedhofs bei. Gleichzeitig haben die komplex ausgeführten Baudetails den Erhalt der Konstruktionen erschwert. Inzwischen befindet sich das Dach der Aussegnungshalle in einem Zustand, der eine umfassende Instandsetzung erforderlich macht. Mit der geplanten Dachwerkinstandsetzung soll nicht lediglich eine funktionale Erneuerung erfolgen. Vielmehr steht eine denkmalgerechte Wiederherstellung im Vordergrund, bei der die historischen Konstruktions- und Gestaltungsmerkmale möglichst weitgehend erhalten beziehungsweise wiederhergestellt werden sollen.
Denkmalwert reicht über das einzelne Gebäude hinaus
Die Bedeutung des Bergfriedhofs liegt nicht allein in der Aussegnungshalle. Nach Einschätzung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz entsteht der besondere Denkmalwert durch das Zusammenspiel von Architektur, Landschaftsplanung und natürlichen Geländestrukturen. Damit steht bei der Sanierung mehr auf dem Spiel als der Erhalt eines einzelnen Daches. Die historischen Holzschindeldächer prägen maßgeblich das naturnahe Erscheinungsbild der gesamten Friedhofsanlage. Eine möglichst detailgetreue Sanierung soll deshalb sicherstellen, dass die gestalterische Einheit des Ensembles erhalten bleibt.
Die Sanierung der Aussegnungshalle zeigt dabei exemplarisch, welche Bedeutung auch jüngere Bauwerke für die Denkmalpflege besitzen können. Der Bergfriedhof stammt nicht aus einer weit zurückliegenden Epoche, sondern wurde erst Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre angelegt. Gerade die Verbindung aus zeittypischer Architektur und bewusst gestalteter Landschaft macht ihn zu einem schützenswerten Zeugnis seiner Entstehungszeit.
