„Vergessene Welten“ in Augsburg

Augsburg. Verlassene Gebäude, bröckelnde Fassaden und die Spuren vergangener Nutzungen stehen im Mittelpunkt einer besonderen Ausstellung im Augsburger Kulturhaus Abraxas. Unter dem Titel „Vergessene Welten – Lost Place Art“ verbindet die Künstlerin und Fotografin Agnes Hörter Lost-Place-Fotografie mit außergewöhnlicher Objektkunst. Vom 22. Februar bis zum 31. März 2026 werden ihre Arbeiten im Kulturhaus Abraxas präsentiert. Die Vernissage fand am 26. Februar 2026 statt.

Verlassene Orte als Quelle der Inspiration

Agnes Hörter lebt seit vielen Jahren in Augsburg und beschäftigt sich intensiv mit alten, verlassenen Gebäuden und den Geschichten, die mit ihnen verbunden sind. Ihre Kamera richtet sich auf Orte, die ihre ursprüngliche Funktion verloren haben und häufig dem Verfall überlassen wurden. Dabei geht es nicht allein um die morbide Ästhetik von Lost Places. Hörter versucht vielmehr, die Atmosphäre und Geschichte dieser Orte fotografisch einzufangen. Die entstandenen Aufnahmen dokumentieren damit einen Zustand, der sich jederzeit verändern kann: Gebäude verfallen weiter, werden abgerissen oder erhalten eine neue Nutzung.

Aus Fotografien werden dreidimensionale Erinnerungsstücke

Das Besondere an der Ausstellung liegt in der anschließenden Verarbeitung der Fotografien. Hörter bringt ihre Aufnahmen nicht nur in Büchern oder klassischen Fotoarbeiten unter, sondern kombiniert sie mit Fundstücken aus den verlassenen Gebäuden. Auf Gegenstände und Materialien, die an den jeweiligen Lost Places zurückgeblieben sind und für sich genommen kaum noch einen materiellen Wert besitzen, werden Fotografien dieser Orte aufgebracht. So entstehen individuelle Unikate, in denen Bild und Objekt unmittelbar miteinander verbunden sind. Das Fundstück stammt aus dem Ort, während die Fotografie dessen Zustand und Atmosphäre festhält.

Geschichte, Verfall und Erinnerung in einem Objekt

Die Verbindung von Fotografie und Fundstück gibt den Arbeiten eine zusätzliche Bedeutungsebene. Die Gegenstände sind nicht länger bloße Überreste eines verlassenen Gebäudes. Zusammen mit dem Foto werden sie zu Trägern einer Geschichte. Jedes Kunstwerk verbindet damit Ort, Erinnerung und Verfall. Die fotografische Aufnahme hält einen Moment fest, während das originale Fundstück eine materielle Verbindung zum dargestellten Lost Place herstellt. Dadurch entsteht eine Kunstform, die zwischen Dokumentation, Fotografie und Objektkunst angesiedelt ist.

Ein besonderer Blick auf vergessene Orte

Hörters Arbeiten lenken den Blick auf Orte, die im Alltag häufig übersehen werden. Wo andere lediglich einen leer stehenden Raum oder ein verfallenes Gebäude sehen, sucht die Künstlerin nach Spuren der Vergangenheit. Gerade die Kombination aus fotografischem Blick und originalen Überresten macht die Arbeiten ungewöhnlich. Die Vergangenheit wird nicht nur abgebildet, sondern bleibt in Form eines konkreten Gegenstands Bestandteil des Kunstwerks.

„Lost Place Art“ erstmals öffentlich zu sehen

Die in Augsburg gezeigten Arbeiten haben für die Künstlerin eine besondere Bedeutung: Erstmals werden die auf Fundstücken entstandenen Kunstwerke öffentlich präsentiert. Damit erweitert die Ausstellung den klassischen Ansatz der Lost-Place-Fotografie um eine haptische und künstlerische Dimension. Der Lost Place wird dabei nicht als reine Kulisse verstanden. Seine Geschichte wird zum Ausgangspunkt für ein neues Kunstwerk – und damit gewissermaßen wieder zurück ins öffentliche Bewusstsein geholt.

Ausstellung im Kulturhaus Abraxas

Die Ausstellung „Vergessene Welten – Lost Place Art“ ist im Kulturhaus Abraxas, Sommestraße 30 in Augsburg, zu sehen. Das Kulturhaus beherbergt zahlreiche Künstler, Musiker und Theatergruppen und verfügt neben Veranstaltungsräumen auch über eine Galerie. Mit ihrer Ausstellung zeigt Agnes Hörter eine ungewöhnliche Perspektive auf Lost Places: Nicht nur die Fotografie bewahrt einen vergessenen Ort vor dem Verschwinden. Auch seine zurückgelassenen Gegenstände können Teil einer neuen Geschichte werden.

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