Witten. Industrie, Handwerk und moderne Fertigung sind nicht nur wirtschaftliche Prozesse – sie können auch zum Gegenstand künstlerischer Betrachtung werden. Genau diesem Gedanken widmet sich die Sonderausstellung „IndustrieART-EN – anders denken, anders sehen“ im LWL-Museum Zeche Nachtigall in Witten. Drei Künstler haben sich auf eine fotografische und künstlerische Spurensuche durch Unternehmen des Ennepe-Ruhr-Kreises begeben. Ihre Arbeiten zeigen Menschen bei der Arbeit, Maschinen, Produktionsabläufe und technische Strukturen aus einer ungewohnten Perspektive. Die Ausstellung läuft vom 30. Mai bis zum 13. September 2026.
Sieben Unternehmen werden zur Kunstkulisse
Über einen Zeitraum von zwei Jahren waren Philip Ian Pearce, Vasilij Plotnikov und Achim Brodde in insgesamt sieben Unternehmen des Ennepe-Ruhr-Kreises unterwegs. Ihr Ziel: die industrielle Gegenwart nicht allein zu dokumentieren, sondern künstlerisch neu zu interpretieren. Dabei entstanden Fotografien, Skulpturen und Installationen, die sich mit unterschiedlichen Facetten der Arbeitswelt beschäftigen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem technische Fertigungsprozesse und die Menschen, die hinter ihnen stehen. Die Ausstellung verbindet damit Gegenwart und Industriekultur auf eine Weise, die über die klassische Dokumentarfotografie hinausgeht.
Zwischen Tradition und Innovation
Der industrielle Wandel ist auch im Ruhrgebiet und im Ennepe-Ruhr-Kreis deutlich sichtbar. Alte Produktionsweisen treffen auf moderne Technologien, traditionelles Handwerk auf automatisierte Fertigung. Genau diese Spannungsfelder greifen die Künstler auf. Ihre Arbeiten beschäftigen sich mit Industrie, Tradition, Innovation und Handwerkskunst und zeigen, wie unterschiedlich die industrielle Arbeitswelt betrachtet werden kann. Wo im Arbeitsalltag häufig Effizienz und Funktionalität im Vordergrund stehen, richtet die Kunst den Blick auf Formen, Bewegungen, Materialien und menschliche Arbeitsabläufe.
Menschen und Maschinen im Mittelpunkt
Ein besonderer Aspekt des Projekts ist die Verbindung von Technik und Mensch. Maschinen und Produktionsanlagen erscheinen nicht isoliert, sondern werden gemeinsam mit den Beschäftigten und ihren Tätigkeiten betrachtet. Dadurch entsteht ein anderes Bild von Industrie: Nicht nur Stahl, Beton und Technik prägen die Produktionsstätten, sondern auch Erfahrung, handwerkliches Können und die Menschen, die die Prozesse gestalten. Die Fotografien und Objekte machen damit sichtbar, was hinter Begriffen wie Fertigung, Produktion und Digitalisierung steht.
Die Zeche Nachtigall als passender Ausstellungsort
Mit dem LWL-Museum Zeche Nachtigall wurde bewusst ein Ort gewählt, der selbst tief in der Geschichte der industriellen Entwicklung verwurzelt ist. Die Zeche im Wittener Muttental gilt als einer der frühen Ausgangspunkte des Ruhrbergbaus. Vor rund 300 Jahren begann dort die Gewinnung von Kohle. Später entwickelte sich der Standort weiter und beherbergte unter anderem eine Ziegelei und Steinbrüche. Damit treffen in der Ausstellung zwei industrielle Welten aufeinander: die historische Bergbau- und Industriekultur der Zeche Nachtigall und die heutige industrielle Arbeitswelt des Ennepe-Ruhr-Kreises.
Industriekultur trifft Gegenwart
Gerade diese Verbindung verleiht „IndustrieART-EN“ ihren besonderen Charakter. Das Museum bewahrt die Geschichte vergangener Arbeitswelten, während die Sonderausstellung den Blick auf die Industrie von heute richtet. So entsteht ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die historischen Gebäude der Zeche bilden dabei nicht nur die Kulisse für die Kunst, sondern liefern selbst einen wichtigen Bezugspunkt. Die Ausstellung stellt damit letztlich auch die Frage, wie sich industrielle Arbeit verändert hat – und welche Elemente von Tradition und Handwerk trotz technologischem Wandel erhalten geblieben sind.
Ausstellungseröffnung Ende Mai
Eröffnet wird „IndustrieART-EN – anders denken, anders sehen“ am Samstag, 30. Mai 2026, um 14 Uhr im LWL-Museum Zeche Nachtigall in Witten. Interessierte Gäste sind zur Eröffnung eingeladen; das Museum bittet um vorherige Anmeldung per E-Mail. Das Museum befindet sich an der Nachtigallstraße 35 in 58452 Witten. Es ist dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
Kunst als neuer Blick auf die Arbeitswelt
„IndustrieART-EN“ zeigt, dass Industriekultur nicht ausschließlich aus historischen Zechen, stillgelegten Fabriken und technischen Denkmälern besteht. Auch die produzierenden Unternehmen der Gegenwart sind Teil dieser Geschichte. Die drei Künstler machen mit ihren Arbeiten sichtbar, was im normalen Betriebsalltag leicht übersehen wird: die Ästhetik von Maschinen, die Präzision handwerklicher Arbeit und die Menschen hinter industriellen Prozessen. Damit lädt die Ausstellung dazu ein, Industrie neu zu sehen – nicht als reine Technik, sondern als Zusammenspiel von Mensch, Arbeit, Gestaltung und gesellschaftlichem Wandel.
