Dampfschlepper „Hedwig“

Foto: rottenplaces Archivfoto
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Versteckt in einem stillgelegten Seitenarm der Spree, hinter einer hohen Spundwand, liegt ein stählernes Relikt vergangener Zeiten: die „Hedwig“. Auf dem verrosteten Rumpf sind nur noch Reste des Namens zu erkennen. Gras wächst auf dem Deck, sogar ein kleiner Baum hat dort Wurzeln geschlagen. Vom einstigen Leben und Wirken des über 120 Jahre alten Schleppdampfers erzählt das Wrack heute nur noch stumm – ein Schiff, das die Wasserwege einst mit schweren Lastkähnen befuhr, ist zum stillen Denkmal geworden.

Unklare Herkunft – zwei Versionen der Geschichte

Die genaue Entstehungsgeschichte der „Hedwig“ ist nicht eindeutig dokumentiert. Laut dem Buch „Schifffahrt über den Berg“ von Gordon Starcken wurde das Schiff im Jahr 1903 in der Brandenburger Werft Gebrüder Wiemann gebaut. Ursprünglich trug es den Namen „Walter“ und war im Besitz von Andreas Bittkow mit Heimathafen Dorotheenhof.

Laut dieser Quelle wechselte der Schlepper 1913 den Besitzer, wurde 1916 im Ersten Weltkrieg für Einsätze auf der Donau requiriert und in „Warnow“ umbenannt. Im gleichen Jahr sei das Schiff von rumänischen Truppen versenkt worden, später aber wieder gehoben und bis Kriegsende für militärische Zwecke genutzt. Erst 1919 kehrte es nach Deutschland zurück, wo es ab 1958 unter dem Namen „Hedwig“ weiterfuhr.

Eine andere Erzählung aus Streitberg

Gert Hentze, Ortschronist aus Langewahl bei Streitberg, widerspricht dieser Version. In seinen Unterlagen ist das Baujahr des Dampfschleppers mit 1894 angegeben. Der Bau erfolgte demnach in der früheren Stadt Bromberg durch die Werft von Leopold Zobel. Das Ehepaar Robert und Hedwig Schneider aus Streitberg soll demnach die ersten Besitzer gewesen sein. Zunächst hieß das Schiff „Walter“, benannt nach dem Sohn, der als Maschinist arbeitete. Nach dessen Tod erhielt das Schiff den Namen der Mutter – „Hedwig“.

Foto: rottenplaces Archivfoto
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Ein Leben auf dem Wasser

Der Dampfschlepper transportierte keine Ladung selbst, sondern zog voll beladene Kähne – mit Kohle, Kies, Holz oder Steinen, unter anderem aus Schlesien. Die Schiffsreise dauerte oft mehrere Tage, weshalb die Familie Schneider an Bord lebte. Im Maschinenraum arbeitete Vater Robert, im vorderen Wohnbereich mit kleiner Kombüse sorgte Frau Schneider für die Verpflegung.

Georg Schneider, der zweite Sohn des Ehepaars, war der letzte Eigner des Schleppers. Er starb 1962 im Maschinenraum – vermutlich an einem Herzinfarkt. Danach legte Hedwig Schneider das Schiff in Streitberg endgültig still.

Aus dem Wasser in die Einsamkeit

In den 1960er-Jahren wurde der Spreearm durch ein Wehr abgesperrt, was die „Hedwig“ buchstäblich auf dem Trockenen stehen ließ. 1984 wurde sie schließlich offiziell als „herrenlos“ erklärt. Heute warnt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt davor, das Wrack zu betreten – die Stabilität ist ungewiss.

Trotz ihres maroden Zustands ist die „Hedwig“ ein einzigartiges Zeugnis der regionalen Schifffahrtsgeschichte. Während die meisten Wracks nach dem Zweiten Weltkrieg entfernt wurden – allein 188 lagen im Oder-Spree-Kanal – blieb dieses Schiff erhalten. Ein rostiger Zeuge einer vergangenen Ära, verborgen und fast vergessen, aber mit einer bewegenden Geschichte im Gepäck.

Mit Material von www.ddr-binnenschifffahrt.de und als Quelle MOZ.

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