Strandhaus Schroeder (2/2025)

Foto: Siegbert Brey/CC BY-SA 4.0
Foto: Siegbert Brey/CC BY-SA 4.0

Inmitten der maritimen Kulisse am Ostufer der Kieler Förde liegt ein architektonisches Kleinod, das durch seine Schlichtheit und Klarheit beeindruckt – das Strandhaus Schroeder in Heikendorf. 1931 vom Architekten Rudolf Schroeder für sich und seine Frau entworfen, steht es heute nicht nur unter Denkmalschutz, sondern auch sinnbildlich für den modernen Wohntraum am Wasser. In seiner kompromisslos modernen Gestaltung, seinem funktionalen Minimalismus und der naturnahen Lage zieht das Haus noch heute architekturaffine Liebhaber in seinen Bann – wie das Ehepaar Marie-Luise und Peter Zastrow, Architekten aus Kiel und mit der Schroeder-Familie verwandt.

Das Strandhaus ist ein flacher Baukörper, schlicht und zugleich markant. Ein breites Fensterband öffnet sich zur See, ein kurzer Seitenflügel schließt sich an. Die Terrasse ist durch ein Vordach geschützt, das von einer filigranen Stütze getragen wird, die nahtlos in eine hohe Fahnenstange übergeht. Ursprünglich aus einer einfachen Holzständerkonstruktion mit Heraklith-Beplankung errichtet, spiegelte das Haus die Bauphilosophie seiner Zeit wider: Funktionalität und Sparsamkeit. Details wie das schwenkbare Waschbecken im Mini-Badezimmer und das betttiefe Schlafzimmer mit getrennten Türen zeugen von durchdachtem, raumsparendem Design – Ideen, die heute sogar in den Entwürfen der Zastrows wieder auftauchen.

Nach dem Tod der ursprünglichen Eigentümer blieb das Haus in Familienhand. 2005 übernahmen die Zastrows das Strandhaus und zogen ein – wohl wissend um seine Herausforderungen. Das Haus war im Laufe der Jahrzehnte immer wieder von Hochwasser betroffen. Um es langfristig zu sichern, beschlossen die neuen Besitzer, umfassende Maßnahmen zu ergreifen: Eine neue weiße Betonmauer verlängerte das Gebäude optisch, eine Gabionenwand wurde eingefügt, und ein schützender Deich umgab fortan das rückwärtige Grundstück. Der Aufwand zahlte sich aus – bei den nächsten Sturmfluten blieben Haus und Garten unversehrt.

Nach mehreren Jahren des Wohnens im originalen Zustand begannen die Zastrows 2013 mit der sorgfältigen Sanierung des Hauses. Die untersten 50 Zentimeter der hölzernen Tragstruktur mussten aufgrund von Feuchtigkeitsschäden erneuert werden. Die Wände wurden mit Polystyrolkügelchen gedämmt, das Dach erhielt ebenfalls eine Wärmedämmung. Moderne, dreifach verglaste Fenster wurden eingebaut, blieben aber optisch den Originalen treu. Der energetische Standard übertraf alle Erwartungen: Die Anforderungen für ein „KfW-Effizienzhaus Denkmal“ wurden deutlich übertroffen.

Äußere Veränderungen beschränkten sich auf spätere Anbauten. Eine Nachkriegs-Fertiggarage wurde in ein zurückhaltend gestaltetes Nebengebäude mit Streckmetall-Fassade verwandelt. Die Frühstücksecke, einst ein kleiner Rückzugsort, wurde erweitert und mit der Küche verbunden – ein Ort mit Blick auf das Wasser und direkter Verbindung zum Wohnraum. Die Küche selbst erinnert in ihrer Struktur noch immer an die berühmte „Frankfurter Küche“, nun aber durch eine moderne Durchreiche an den Wohnbereich geöffnet.

2016 wurde das Strandhaus Schroeder einem breiten Publikum bekannt: Als Zuhause der fiktiven Ermittlerin Nora Weiss, gespielt von Anna Maria Mühe, diente es als Drehort der ZDF-Krimireihe „Solo für Weiss“. Diese mediale Präsenz macht das architektonische Kleinod auch über Fachkreise hinaus sichtbar. Doch was dem Baudenkmal langfristig Bedeutung verleiht, ist nicht der Fernsehruhm, sondern die kluge Nutzung – und das Engagement derer, die das Potenzial dieses einzigartigen Hauses erkennen und pflegen.

Das Strandhaus Schroeder ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie moderne Architektur, Denkmalschutz und nachhaltige Sanierung miteinander vereinbar sind. Es zeigt, wie durchdachte Gestaltung selbst unter widrigen Bedingungen bestehen kann – und wie vielschichtig die Nutzungsmöglichkeiten für solche Einzelstücke auch heute noch sind. Letztlich ist es der Mut zur Einfachheit, der diesem Haus seinen besonderen Charakter verleiht.

Denkmal des Quartals

Dieses Objekt wurde vom Onlinemagazin rottenplaces.de als „Denkmal des Quartals“ ausgewählt und online sowie im rottenplaces Magazin explizit vorgestellt. Sie möchten dieses Denkmal und die Arbeit der vielen Stiftungen, Organisationen, Vereine, Ehrenamtler usw. unterstützen? Dann finden Sie weitere Informationen zu diesem „Denkmal des Quartals“ über den jeweiligen Link im Artikel.

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