Brauerei Falkenkrug – Waldorfschule Detmold (1/2020)

Hoch über dem Tal der Werre thront ein imposantes Bauwerk: die ehemalige Brauerei Falkenkrug. Das heute denkmalgeschützte Gebäudeensemble hat eine bewegte Geschichte, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht.

Ursprung des Falkenkrugs war eine Schankgenehmigung, die der lippische Graf Hermann Adolf im Jahr 1662 seinem Hoftrompeter Johann Winter erteilte. Er durfte in der Nähe des heutigen Standorts eine Gaststätte betreiben – zunächst ohne eigenes Bier zu brauen. Dieses musste in Detmold oder Horn eingekauft werden. Erst 1673 erhielt Winter vom nächsten Landesherrn, Graf Simon Heinrich, das Braurecht. Die „Krugstätte“ entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten zu einem beliebten Ausflugsziel für die Detmolder Bevölkerung.

1808 übernahm Simon Gausmann den verschuldeten Betrieb und führte ihn mit neuen Ideen wie einer Kegelbahn zurück in die Gewinnzone. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Simon August, der als ausgebildeter Brauer aus Bayern zurückgekehrt war. Dort hatte er die Vorteile unterirdischer Lagerung kennengelernt und ließ in den 1830er Jahren ein weitläufiges Kellernetz unterhalb des Grundstücks anlegen – darunter ein 40 Meter langer Hauptkeller mit konstant kühlen Temperaturen, ideal zur Bierlagerung. Auch ein Eiskeller wurde angelegt, der im Winter mit Natureis gefüllt wurde.

Simon August starb 1856, noch bevor sein geplanter Brauhausneubau umgesetzt war. Diesen verwirklichten seine Witwe und ihr zweiter Ehemann Karl Schmitz ab 1857. Bis 1880 entstand der markante Gebäudekomplex, bestehend aus Mälzhaus, Sudhaus, Brau- und Wohnhaus, überragt von einem Schornstein. 1911 kamen Erweiterungen an der Blomberger Straße hinzu, darunter ein neues Sudhaus mit einem steinernen Falken auf dem Dach – Symbol und Namensgeber der Brauerei.

Während des Zweiten Weltkriegs dienten die tiefen Kelleranlagen als Luftschutzräume. In den 1960er Jahren übernahm die Herforder Brauerei „Felsenkeller“, die bereits Anteile hielt, die Brauerei vollständig. 1972 wurde die Bierproduktion in Detmold endgültig eingestellt. Das Schicksal des historischen Ensembles blieb lange Zeit unklar.

Heute gilt die Anlage als bedeutendes Zeugnis der industriellen Braukunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Die beeindruckende Architektur erinnert an ein „Fabrikschloss“. Ende der 1980er Jahre wurden Teile des Falkenkrugs renoviert, seitdem nutzt die Freie Waldorfschule Lippe-Detmold das Gelände. 1987 wurde die Anlage unter Denkmalschutz gestellt. Führungen durch die Gebäude bietet die Stadt Detmold regelmäßig an.

Mehr Informationen unter www.waldorfschule-detmold.de

Denkmal des Quartals

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