Steag-Fläche in Lünen: Hagedorn fordert Klarheit

Foto: Unternehmensgruppe Hagedorn
Foto: Unternehmensgruppe Hagedorn

Gütersloh/Lünen. Auf dem Gelände des ehemaligen Steag-Kraftwerks in Lünen herrscht erneut Unsicherheit. Nachdem der Drogeriekonzern Rossmann seine Pläne für ein großes Logistikzentrum überraschend aufgegeben hat, fordert Projektentwickler Hagedorn nun Klarheit über die weitere Zukunft der rund 37 Hektar großen Industriebrache. Das Areal war nach dem Ende des Kohlekraftwerks umfangreich zurückgebaut und für eine neue industrielle Nutzung vorbereitet worden. Kühlturm und Schornstein verschwanden bereits 2021, anschließend wurden weitere Kraftwerksgebäude beseitigt und die Flächen aufwendig aufbereitet.

Großprojekt mit 1.400 Arbeitsplätzen geplatzt

Noch vor wenigen Monaten schien die Entwicklung des Areals endlich voranzukommen. Rossmann wollte auf einer rund 15 Hektar großen Teilfläche ein Logistikzentrum errichten und damit etwa 1.400 Arbeitsplätze schaffen. Der Rat der Stadt Lünen hatte dem Vorhaben im März 2026 zugestimmt. Im Juni kam dann die überraschende Kehrtwende: Rossmann zog sich aus dem Projekt zurück. Die Stadt sprach von einer großen Enttäuschung. Nach Einschätzung der Bürgermeisterin könnten auch die politischen Auseinandersetzungen um das Vorhaben beim Unternehmen einen negativen Eindruck hinterlassen haben.

Hagedorn verlangt jetzt Planungssicherheit

Für Hagedorn ist die Situation besonders problematisch. Der Entwickler hat das ehemalige Kraftwerksgelände bereits vor Jahren übernommen und seitdem erhebliche Arbeit in Rückbau, Altlastensanierung und Flächenentwicklung investiert. Ursprünglich sollte aus dem ehemaligen Kraftwerksstandort ein moderner Gewerbe- und Industriestandort werden. Nun fehlt erneut ein konkreter Großinvestor. Hagedorn drängt deshalb darauf, die offenen Fragen möglichst schnell zu klären. Denn solange politische und planerische Unsicherheiten bestehen, wird die Vermarktung der Fläche schwieriger.

Ein Kraftwerksstandort zwischen Stillstand und Neuanfang

Die Geschichte der Steag-Fläche ist damit auch eine Geschichte des mühsamen Strukturwandels. Nach dem Ende der Kohleverstromung sollte aus dem ehemaligen Kraftwerksstandort ein zukunftsfähiges Gewerbegebiet entstehen. Doch die Ansiedlung großer Betriebe stieß in Lünen wiederholt auf politische Diskussionen und Widerstände. Bereits in den vergangenen Jahren hatte Hagedorn nach eigenen Angaben zahlreiche Interessenten für das Areal – ohne dass daraus eine dauerhafte Ansiedlung entstand. Der spektakuläre Rückbau des Kraftwerks hat damit zwar Platz geschaffen, aber noch keine endgültige neue Identität für das Gelände. Die einstige Landmarke der Lüner Kohleindustrie ist verschwunden. Die versprochene industrielle Zukunft lässt dagegen weiter auf sich warten.

Was kommt nach der Kohle?

Für Lünen stellt sich damit erneut die zentrale Frage: Wie soll die riesige Konversionsfläche künftig genutzt werden? Die Stadt und Hagedorn müssen nach dem Rossmann-Rückzug einen neuen Anlauf nehmen, um Investoren zu gewinnen und gleichzeitig die politischen Anforderungen an die Entwicklung des Areals unter einen Hut zu bringen. Aus Sicht der Industriekultur ist der Wandel besonders einschneidend. Vom Kraftwerk selbst ist kaum noch etwas übrig. Die Gebäude, Schornsteine und technischen Anlagen, die den Standort über Jahrzehnte prägten, wurden vollständig beseitigt. Geblieben ist eine gewaltige Fläche, auf der die nächste industrielle Geschichte erst noch geschrieben werden muss.

Der ehemalige Steag-Standort ist damit ein Beispiel dafür, dass der Abriss eines Kraftwerks zwar schnell sichtbare Fakten schafft – die eigentliche Herausforderung beginnt jedoch danach. Eine Brache wird nicht allein dadurch zum Zukunftsstandort, dass die Vergangenheit abgeräumt wurde.

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