Hagen. In Hagen-Kabel verschwindet derzeit ein bedeutendes Kapitel der regionalen Industriegeschichte. Auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik haben die Abbrucharbeiten begonnen. Große Teile der einst weitläufigen Produktionsanlagen werden zurückgebaut, Maschinen und Gebäudestrukturen verschwinden. Aktuelle Aufnahmen zeigen, wie die Bagger sich durch das traditionsreiche Werksareal arbeiten. Damit wird das Ende eines Standorts sichtbar, an dem über mehr als ein Jahrhundert Papier produziert wurde. Die Papierfabrik in Hagen-Kabel wurde bereits 1896 gegründet und entwickelte sich zu einem wichtigen Arbeitgeber und Industriestandort der Region. Spätere Eigentümer waren unter anderem die Feldmühle AG und der finnische Konzern Stora Enso. Zuletzt firmierte das Werk als Kabel Premium Pulp & Paper.
Nach 130 Jahren ist Schluss
Die letzte Phase der Fabrik begann mit erheblichen wirtschaftlichen Problemen. Kabel Premium Pulp & Paper meldete im März 2025 Insolvenz an. Wenige Monate später wurde der Produktionsbetrieb endgültig eingestellt. Rund 420 Beschäftigte waren von der Schließung betroffen. Ein Investor, der das Unternehmen einschließlich der Belegschaft hätte übernehmen können, wurde trotz eines strukturierten Investorenprozesses nicht gefunden. Als Gründe für die schwierige wirtschaftliche Situation galten unter anderem die rückläufige Nachfrage nach grafischen Papieren infolge der Digitalisierung sowie stark gestiegene Kosten, insbesondere für Energie. Das Unternehmen hatte zuletzt hochwertige grafische Papiere für den Druck von Zeitschriften, Katalogen und Werbematerialien hergestellt.
Ein riesiges Industrieareal wird zurückgebaut
Mit dem Produktionsende begann zugleich die Suche nach einer neuen Perspektive für das gewaltige Werksgelände. Rund 280.000 Quadratmeter des insgesamt etwa 370.000 Quadratmeter großen Areals wurden an den belgischen Projektentwickler VGP verkauft. Weitere Flächen gingen an andere Akteure, darunter Mark-E. Der Rückbau ist Voraussetzung für die geplante Neuentwicklung. Auf dem ehemaligen Fabrikgelände soll langfristig ein moderner Gewerbe- und Industriepark entstehen. Vorgesehen sind unter anderem Flächen für Produktion, Light Industrial und Logistik.
Stadt setzt auf neue Gewerbeflächen
Auch planerisch wird der Wandel vorbereitet. Die Stadt Hagen hat Bebauungsplanverfahren für die Bereiche Kabel Nord und Kabel Süd eingeleitet. Ziel ist es, die ehemaligen Fabrikflächen wieder einer gewerblichen und industriellen Nutzung zuzuführen und ein längerfristiges Brachfallen des Areals zu verhindern. Gleichzeitig sollen auf bereits industriell genutzten Flächen neue Unternehmen und Arbeitsplätze entstehen. Damit steht Hagen-Kabel vor einem tiefgreifenden Wandel. Wo jahrzehntelang riesige Papiermaschinen liefen, soll künftig ein neuer Wirtschaftsstandort entstehen. Der Abriss schafft dafür die Voraussetzungen – löscht aber zugleich die letzten sichtbaren Spuren einer Fabrik, die den Stadtteil über Generationen geprägt hat.
Vom Industriestandort zur neuen Gewerbefläche
Für die Stadt ist das Areal eine große Entwicklungsfläche, für die Industriegeschichte bedeutet der Rückbau dagegen einen weiteren Verlust. Die Papierfabrik war nicht irgendein leerstehender Komplex: Ihre Geschichte reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück und ist eng mit der Entwicklung des Standorts Kabel verbunden. Nun wird diese Geschichte Stück für Stück abgetragen. Noch stehen Teile der alten Werkslandschaft, doch die markanten Produktionsgebäude werden zunehmend zur Kulisse des Abbruchs. Aus der ehemaligen Papierfabrik soll ein neuer Gewerbe- und Industriepark entstehen.
