Asperg. Tief im Osterholzwald, zwischen Asperg und Ludwigsburg, versteckt sich eine verfallene Schießanlage. Die alte Ruine aus Backstein, übersät mit Graffiti und teils einsturzgefährdet, soll nach dem Willen der Stadt Asperg abgerissen werden. Doch das Vorhaben sorgt für heftige Kritik – besonders vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).
Gefahr für Mensch – oder Natur?
Aspergs Bürgermeister Christian Eiberger warnt: Die zerfallenen Mauern stellen eine ernsthafte Gefahr dar. „Es könnten sich jederzeit Steine lösen“, sagt er. Immer wieder würden sich Menschen unerlaubt Zugang verschaffen – hinterlassen Müll, entzünden Lagerfeuer. Zwar weist ein Warnschild auf die Gefahren hin, doch Eiberger hält das Risiko für zu hoch: „Irgendwann wird etwas passieren – und dann ist die BImA haftbar.“
Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) ist Eigentümerin des Geländes und trägt damit rechtlich die Verantwortung. Zwar bot sie der Stadt Asperg das Grundstück bereits für einen symbolischen Euro an, doch der Bürgermeister lehnte ab. Der Grund: Die Stadt hätte dann auch die rund zwei Millionen Euro für den Abriss übernehmen müssen.
Abriss mit hohen Folgekosten
Die Kosten sind vor allem deshalb so hoch, weil umfangreiche Vorarbeiten nötig wären: Eine Zufahrtsstraße müsste gebaut, ein Zwischenlager für Bauschutt eingerichtet und eine Reifenwaschanlage installiert werden, um die Waldwege sauber zu halten. Außerdem müssten laut aktuellen Planungen 256 Bäume gefällt werden, um die Arbeiten überhaupt durchführen zu können.
Naturschutz versus Sicherheit
Der BUND-Kreisvorsitzende Stefan Flaig hält den geplanten Abriss für einen Fehler – sowohl ökologisch als auch finanziell. In einem offenen Brief an die BImA kritisiert er die Maßnahme scharf: Die Schießanlage sei längst Teil eines funktionierenden Biotops. Im Osterholzwald leben elf Fledermausarten, 34 besonders geschützte Vogelarten sowie vier Amphibienarten. „Der Eingriff zerstört Lebensraum – und das für eine Ruine, die man einfach absichern könnte“, so Flaig.
Er schlägt vor, das Gelände stattdessen mit einem stabilen Bauzaun zu sichern. Für ihn wäre das eine kostengünstige und naturschonende Alternative. „Die Eigenverantwortung der Menschen darf nicht völlig ausgeblendet werden“, sagt Flaig. Doch die Stadt sieht das anders: Ein Zaun sei nicht zuverlässig genug, könne überwunden werden und würde außerdem Tiere am Durchqueren hindern.
Rodung und Rückbau ab Herbst 2025
Trotz der Einwände wird der Abriss vorbereitet. Im Herbst 2025 sollen erste Bäume gefällt werden, bis zum Frühjahr 2026 soll die Ruine endgültig verschwinden. Danach ist geplant, den Wald wieder aufzuforsten. Die Stadt will das Gebiet langfristig als Erholungsraum für Mensch und Tier nutzbar machen.
Was als Sicherheitsmaßnahme gedacht ist, hat sich inzwischen zu einem Streitfall zwischen Stadtverwaltung und Umweltschützern entwickelt – mit offenem Ausgang, aber klaren Fronten.
