Kreativphase der ibug 2026 in Riesa geht zu Ende

Foto: Susan Fankhänel
Foto: Susan Fankhänel

Riesa. Das ehemalige Muskator-Gelände in Riesa steht in diesem Sommer erneut ganz im Zeichen der Urban Art. Mit monumentalen Wandgemälden, aufwendigen Lichtinstallationen und raumgreifenden Kunstwerken verwandelt die ibug das weitläufige Industrieareal in eine der außergewöhnlichsten Ausstellungen für Streetart und Industriekultur in Deutschland. Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt haben innerhalb weniger Wochen eine beeindruckende Vielfalt an Werken geschaffen, die das historische Fabrikgelände in neuem Licht erscheinen lassen.

Bereits aus großer Entfernung zieht ein riesiges Wandbild die Blicke auf sich. Der belgische Künstler Yves Gallard gestaltete die rund 700 Quadratmeter große Fassade des markanten Maschinenturms. Für das farbenprächtige Mural arbeitete er über mehrere Tage hinweg in rund 50 Metern Höhe, abgesichert von Industriekletterern und unterstützt durch ein eigenes Farbteam. Allein für dieses Werk kamen mehr als 200 Liter Farbe zum Einsatz.

Lichtkunst führt Besucher tief unter die Silos

Die Ausstellung beschränkt sich jedoch nicht auf die Fassaden. Ein besonderer Höhepunkt erwartet die Besucher unterhalb der gewaltigen Siloanlagen. Dort verwandeln Lichtinstallationen des indischen Künstlers Ansh Kumar die riesige Industriehalle in einen beinahe sakral wirkenden Raum. Farbige Lichtstrahlen fallen durch die Schächte der Silos und erzeugen eine eindrucksvolle Atmosphäre, die besonders in den Abendstunden ihre volle Wirkung entfaltet. Ergänzt werden die Installationen durch weitere Lichtkunstwerke im Außenbereich des Geländes.

Kunst setzt sich mit der Geschichte des Standorts auseinander

Viele der entstandenen Arbeiten greifen bewusst die Vergangenheit des ehemaligen Produktionsstandortes auf. Die Künstler setzen sich mit wirtschaftlichen Fehlentwicklungen, industrieller Nutzung und den Auswirkungen auf Mensch und Umwelt auseinander. So thematisiert ein großformatiges Werk des Künstlers Guido Zimmermann die Misswirtschaft und den Umgang mit Nutztieren während der letzten Betriebsjahre des Werkes. Seine Installation erhebt sich über mehrere Stockwerke und zählt zu den markantesten Arbeiten der diesjährigen Ausstellung.

Neue Ausstellungsbereiche erweitern das Festivalgelände

Für die aktuelle Ausgabe der ibug wurden zusätzlich bislang ungenutzte Gebäudeteile erschlossen. Das ehemalige Mühlengebäude sowie das Tanklager präsentieren sich erstmals vollständig als Ausstellungsflächen. Dort erwartet die Besucher eine große Bandbreite zeitgenössischer Urban Art – von klassischen Paste-ups über Videokunst bis hin zu aufwendigen Rauminstallationen. Zwischen den großformatigen Arbeiten verstecken sich zahlreiche kleine Kunstwerke, die erst beim genauen Hinsehen entdeckt werden können und den Erkundungscharakter der Ausstellung unterstreichen.

Musik, Gastronomie und Industrieflair schaffen Festivalatmosphäre

Neben der Kunst spielt auch das gemeinsame Erleben eine zentrale Rolle. Direkt an der Elbe lädt die Festivalterrasse mit gastronomischen Angeboten und einem abwechslungsreichen Musikprogramm zum Verweilen ein. DJs und Live-Bands sorgen während der Veranstaltungstage für zusätzliche Festivalstimmung und verbinden die industrielle Kulisse mit Kultur und Begegnung.

Internationale Künstlergemeinschaft prägt die ibug

Innerhalb von nur 17 Tagen arbeiteten insgesamt 72 Künstlerinnen und Künstler aus 18 Ländern auf dem Gelände. Die große stilistische Vielfalt macht die ibug seit Jahren zu einem wichtigen Treffpunkt der internationalen Streetart-Szene. Zahlreiche Werke entstanden in enger Zusammenarbeit, greifen Ideen anderer Künstler auf oder wurden spontan gemeinsam entwickelt. Gerade dieser kreative Austausch gilt als eines der Markenzeichen des Festivals.

Ehrenamtliches Engagement macht das Festival möglich

Hinter den Kulissen leisten zahlreiche freiwillige Helfer einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg der Veranstaltung. Bereits seit Ende April bereiten mehr als 80 Ehrenamtliche das Gelände vor. Sie kümmern sich unter anderem um Stromversorgung, Infrastruktur, Sicherheitsmaßnahmen, Sanitäranlagen und die Versorgung aller Beteiligten. Ohne dieses außergewöhnliche Engagement wäre ein Festival dieser Größenordnung kaum realisierbar.

Zwei Jahrzehnte ibug: Vom Szeneprojekt zum internationalen Festival

Seit der ersten Veranstaltung im Jahr 2006 hat sich die ibug kontinuierlich weiterentwickelt. Was einst als Plattform für urbane Künstler begann, ist heute ein international anerkanntes Festival für Streetart und Industriekultur. Nach mehr als zwanzig Ausgaben an unterschiedlichen Standorten gehört die Veranstaltung längst zu den wichtigsten ihrer Art in Deutschland und lockte zuletzt Zehntausende Besucher an.

Parallel zur künstlerischen Entwicklung wurden auch Organisation, Infrastruktur und Vermittlungsangebote stetig ausgebaut. Führungen durch die Industriegeschichte, Programme für Schulklassen sowie technische Verbesserungen gehören heute ebenso selbstverständlich zum Festival wie professionelle Künstlerbetreuung und nachhaltige Arbeitsabläufe.

Barrierefreiheit wird zum Zukunftsthema

Ein besonderer Schwerpunkt liegt zunehmend auf der Zugänglichkeit des Festivals. In Riesa sollen Aufzüge und Rampen möglichst allen Besucherinnen und Besuchern den Zugang zu den verschiedenen Ausstellungsebenen ermöglichen. Unterstützt wird dieses Vorhaben durch eine laufende Crowdfunding-Kampagne, mit deren Hilfe weitere Maßnahmen zur Barrierefreiheit finanziert werden sollen.

Festival sucht weiterhin Unterstützung

Bis zur Eröffnung laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Das Organisationsteam sucht weiterhin freiwillige Helfer für den Aufbau sowie für die Betreuung der Festivalwochenenden. Gleichzeitig werden Spenden für den weiteren Ausbau der Barrierefreiheit gesammelt. Unterstützer erhalten dabei unter anderem exklusive Kunstdrucke, Sonderführungen oder speziell gestaltete Festivalartikel als Dankeschön.

Umweltfreundliche Anreise empfohlen

Da die Parkmöglichkeiten rund um das ehemalige Muskator-Gelände begrenzt sind, empfehlen die Veranstalter die Anreise mit der Bahn oder die Nutzung öffentlicher Parkplätze im Stadtgebiet. Das Festivalgelände ist über mehrere Regionalbahnverbindungen gut erreichbar und soll so möglichst umweltfreundlich besucht werden.

Die ibug 2026 verbindet eindrucksvoll Industriekultur, internationale Streetart und gesellschaftliches Engagement. Mit spektakulären Kunstwerken, einem vielfältigen Kulturprogramm und der Wiederbelebung eines historischen Industriestandortes zählt das Festival erneut zu den kulturellen Höhepunkten des Jahres in Sachsen.

Weitere Informationen gibt es unter www.ibug-art.de.

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