Kraftwerk Mehrum: 130 Meter hohes Kesselhaus gesprengt

Foto: YouTube
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Mehrum. Ein weiteres markantes Bauwerk des ehemaligen Steinkohlekraftwerks Mehrum ist Geschichte: Am Samstag, 7. November 2026, wurde das rund 130 Meter hohe Kesselhaus von Block 3 kontrolliert gesprengt. Gegen 11 Uhr stürzte das gewaltige Gebäude planmäßig in sich zusammen. Damit erreicht der seit Herbst 2024 laufende Rückbau des Kraftwerksstandorts einen weiteren entscheidenden Meilenstein. Als letztes großes Bauwerk steht nun noch der 250 Meter hohe Schornstein auf dem Gelände.

Kontrollierte Sprengung eines außergewöhnlichen Industriebauwerks

Das Kesselhaus gehörte zu den zentralen Anlagen des Kraftwerks und war früher das technische Herzstück der Stromerzeugung. Hier wurde die zuvor gemahlene und getrocknete Steinkohle verbrannt, um Wasser zu erhitzen und den für den Betrieb der Turbinen benötigten Dampf zu erzeugen.

Das 130 Meter hohe Bauwerk galt aufgrund seiner besonderen Konstruktion als außergewöhnliches und sprengtechnisch anspruchsvolles Objekt. Der eigentliche Kessel war zwischen vier Treppentürmen aufgehängt. Bei der Sprengung am Samstag wurden die Tragstrukturen gezielt geschwächt, sodass die Konstruktion kontrolliert nach Süden zu Boden gebracht werden konnte. Etwa eine Minute vor der Hauptzündung erfolgte eine vorgeschaltete Vergrämungssprengung, um möglicherweise im Gebäude nistende Vögel zu vertreiben.

Weiträumige Sicherheitszone und Straßensperrungen

Für die Arbeiten wurde rund um das Kraftwerksgelände eine umfangreiche Sicherheitszone eingerichtet. Bereits ab dem Vormittag waren unter anderem die Triftstraße und die Straße Ackerköpfe sowie umliegende Feld- und Wirtschaftswege gesperrt. Zum Zeitpunkt der Sprengung kamen kurzfristige Vollsperrungen auf der Bundesstraße 65, der Landesstraße 413 und der Kreisstraße 41 hinzu. Auch der Verbindungsweg zwischen Equord und Mehrum war betroffen.

Zuschauer konnten das Ereignis ausschließlich außerhalb des abgesperrten Bereichs verfolgen. Als geeigneter Aussichtspunkt war die Verlängerung der Straße „An der Sporthalle“ in Richtung Bolzplatz empfohlen worden. Im Sicherheitsbereich galt zudem ein striktes Flugverbot für private Drohnen. Nach der erfolgreichen Sprengung und der Kontrolle durch den Sprengmeister wurden die Sperrmaßnahmen schrittweise aufgehoben.

Rückbau seit 2024 – Kühlturm und Silos bereits verschwunden

Die Sprengung des Kesselhauses ist Teil eines umfangreichen Rückbauprojekts. Bereits im Oktober 2024 waren zwei jeweils rund 70 Meter hohe Aschesilos niedergelegt worden. Im Jahr 2025 folgte der 130 Meter hohe Kühlturm, für dessen Sprengung nach Angaben des NDR rund 150 Kilogramm Sprengstoff eingesetzt wurden. Weitere Abbrucharbeiten folgten im Frühjahr 2026.

Mit dem Fall des Kesselhauses ist nun auch das letzte große Betriebsgebäude des ehemaligen Kohlekraftwerks beseitigt. Übrig bleibt der weithin sichtbare, rund 250 Meter hohe Schornstein. Der vollständige Rückbau des alten Kraftwerks soll bis 2027 abgeschlossen sein.

Vom Kohlekraftwerk zum neuen Gaskraftwerksstandort

Die Geschichte des Kraftwerks Mehrum reicht bis in die frühen 1960er-Jahre zurück. Der Bau begann 1962, die erste Inbetriebnahme erfolgte 1965. Block 3 nahm 1979 den Betrieb auf. Während der Energiekrise infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wurde die Anlage im August 2022 als erstes von insgesamt 14 Steinkohlekraftwerken aus der Reserve reaktiviert. Nach rund 20 Monaten Reservebetrieb endete die Stromerzeugung am 28. März 2024 endgültig.

Auf dem Gelände ist ein neues Gaskraftwerk vorgesehen. Damit wird der traditionsreiche Kraftwerksstandort nicht vollständig aufgegeben, sondern einer neuen energetischen Nutzung zugeführt. Mit dem Verschwinden des Kesselhauses verliert Mehrum allerdings ein weiteres weithin sichtbares Zeugnis seiner industriellen Vergangenheit.

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