Berchtesgaden. Nach dem verheerenden Großbrand am Kehlsteinhaus oberhalb von Berchtesgaden schreiten die Sicherungsarbeiten voran. Am Donnerstag, 5. November 2026, wurde auf dem rund 1.834 Meter hohen Kehlstein ein Turmdrehkran errichtet. Die einzelnen Bauteile brachte ein Transporthubschrauber vom Typ Super Puma auf das schwer zugängliche Bergplateau. Die spektakuläre Aktion ist ein wichtiger Schritt, um die schwer beschädigte Gebäuderuine vor den kommenden Wintermonaten zu schützen.
Super Puma übernimmt die Schwertransporte
Die exponierte Lage des Kehlsteinhauses macht den Einsatz herkömmlicher Transportfahrzeuge unmöglich. Deshalb wurden die Kranelemente einzeln per Hubschrauber angeliefert. Der Super Puma transportierte die Bauteile nicht nur zum vorgesehenen Standort, sondern unterstützte auch unmittelbar die Montage. Dazu hielt der Hubschrauber die schweren Elemente während der Arbeiten in der Luft, bis die Monteure sie präzise positionieren und befestigen konnten.
Der neue Turmdrehkran soll die weiteren Arbeiten an der Brandruine erheblich erleichtern. Er ermöglicht es, Baumaterial und schwere Bauteile direkt vor Ort zu bewegen und die anstehenden Sicherungsmaßnahmen effizienter durchzuführen.
Historischer Aufzug wieder eingeschränkt einsatzfähig
Neben dem Kranaufbau gibt es einen weiteren wichtigen Fortschritt: Der historische Kehlsteinaufzug hat am Mittwoch, 4. November, die technische Prüfung durch den TÜV bestanden und ist seitdem wieder begrenzt nutzbar. Der Aufzug führt durch einen 124 Meter langen Tunnel direkt in das Gebäude. Damit können Arbeitskräfte und Materialien wieder leichter auf den Berg und in den Gebäudekomplex gelangen.
Die Wiederinbetriebnahme ist für die Sicherungsarbeiten von großer Bedeutung. Bislang war die Versorgung der Baustelle aufgrund der schwierigen Erreichbarkeit und der erheblichen Höhenlage eine besondere Herausforderung. Zusammen mit dem neuen Kran schafft der Aufzug nun bessere Voraussetzungen für die nächsten Arbeitsschritte.

Notdach soll weitere Schäden verhindern
Oberste Priorität hat derzeit die Errichtung eines Notdachs. Das stark beschädigte Gebäude soll damit vor Schnee, Frost und eindringender Feuchtigkeit geschützt werden. Die Verantwortlichen wollen das Kehlsteinhaus so weit wie möglich winterfest machen und verhindern, dass die ohnehin schwer geschädigte Bausubstanz durch die Witterung zusätzlich leidet. Nach Angaben des Bayerischen Rundfunks sollen das Notdach und weitere Sicherungsmaßnahmen möglichst bis Anfang Dezember abgeschlossen sein.
Wie schnell die Arbeiten vorankommen, hängt allerdings auch von den Wetterbedingungen auf dem Kehlstein ab. Hubschrauberflüge und Montagearbeiten in dieser Höhenlage können nur bei geeigneter Witterung durchgeführt werden. Der Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden weist deshalb ausdrücklich auf die bestehenden Absperrungen und das Betretungsverbot hin.
Nach dem Feuer bleibt die Zukunft des Kehlsteinhauses offen
Das Kehlsteinhaus war in der Nacht vom 23. auf den 24. Oktober 2026 in Brand geraten und nahezu vollständig ausgebrannt. Rund 200 Einsatzkräfte waren an den Löscharbeiten beteiligt. Verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen niemand. Ein 33-jähriger Tatverdächtiger wurde festgenommen und auf Antrag der Staatsanwaltschaft vorläufig in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Die Ermittlungen zu den Hintergründen und zum Motiv dauern an.
Das von den Nationalsozialisten 1937 und 1938 errichtete Gebäude ist ein historisch belasteter Ort und zugleich ein bedeutendes Zeugnis der NS-Architektur am Obersalzberg. Zuletzt wurde es als Berggaststätte genutzt und war ein viel besuchtes Ausflugsziel. Wie es nach der Sicherung weitergeht und welche Teile der historischen Substanz erhalten werden können, ist derzeit noch offen. Ein originalgetreuer Wiederaufbau steht nach bisherigen Aussagen des bayerischen Innenministeriums nicht zur Debatte. Zunächst geht es darum, die Ruine zu sichern und den Bestand vor weiteren Schäden zu bewahren.
