Kaum Hoffnung für ehemalige Kurklinik Bad Rippoldsau

Foto: rottenplaces Archivfoto
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Bad Rippoldsau. Eine riesige Klinikruine, ungebetene Besucher und eine Eigentümerin, die auf Anfragen nicht reagiert: Die ehemalige Kurklinik in Bad Rippoldsau-Schapbach im Landkreis Freudenstadt ist zu einem der problematischsten Lost Places im Schwarzwald geworden. Seit der Schließung im Jahr 2011 verfällt die Anlage. Obwohl es zwischenzeitlich große Pläne für eine neue Nutzung gab, ist daraus bislang nichts geworden. Für die kleine Schwarzwaldgemeinde ist die Situation zunehmend belastend.

Die Dimensionen des Areals sind beachtlich: Rund 30.000 Quadratmeter Gebäudefläche und etwa 7,5 Hektar Außenfläche umfasst der Komplex. Wo einst Patienten behandelt wurden, bestimmen heute Leerstand, zunehmender Verfall und die Folgen unerlaubter Besuche das Bild. Die Ruine zieht Lost-Place-Fans aus der Region und von weiter her an – trotz ausdrücklicher Warnungen vor Lebensgefahr.

Vom Kurstandort zum verlassenen Großkomplex

Bad Rippoldsau-Schapbach blickt auf eine lange Geschichte als Kur- und Erholungsort zurück. In den 1970er-Jahren verzeichnete die Gemeinde nach Angaben des SWR rund 200.000 Übernachtungen jährlich. Auch die Kurklinik war ein wichtiger Bestandteil dieses Gesundheits- und Tourismusstandorts. Als die Einrichtung 1977 eröffnet wurde, verfügte sie über 300 Betten in mehr als 240 Zimmern.

Doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen veränderten sich. Im April 2011 wurde die Klinik geschlossen. Rund 100 Beschäftigte verloren damals ihre Arbeitsplätze; für die Gemeinde endete damit ein bedeutendes Kapitel ihrer Gesundheitswirtschaft. Was zunächst als ungenutzte Immobilie zurückblieb, entwickelte sich über die folgenden Jahre zu einer immer größeren Belastung. Die Anlage umfasst nicht nur Patientenzimmer und Behandlungsräume. Zum Komplex gehörten einst auch ein Thermalbad, drei Mineralwasserquellen und ein Kurmittelhaus. Die Größe und die technische Ausstattung machen eine Wiederbelebung anspruchsvoll – und den fortschreitenden Verfall umso folgenreicher.

Millionenpläne für ein Fünf-Sterne-Resort scheiterten

2015 wechselte die ehemalige Kurklinik in den Besitz einer Investorengruppe aus Hongkong. Die Pläne klangen ambitioniert: Aus der leerstehenden Einrichtung sollte ein Fünf-Sterne-Resort mit medizinischem und gesundheitlichem Schwerpunkt werden. Für den Umbau standen Investitionssummen von rund 60 Millionen Euro im Raum. Doch das Projekt kam nicht voran. Verantwortliche zogen sich zurück, Konzepte wurden überarbeitet, und die angekündigte Wiederbelebung blieb aus.

Aus dem erhofften Neustart wurde ein jahrelanger Stillstand. Während die Zukunft des Gebäudes ungeklärt blieb, verschlechterte sich sein Zustand. Die Anlage wurde zunehmend als Lost Place bekannt – ein Begriff, der in diesem Fall nicht nur für verlassene Räume und morbiden Charme steht, sondern für eine konkrete Gefahrenlage. Der Fall zeigt, wie wenig eine spektakuläre Investitionsankündigung bewirkt, wenn sie nicht in tatsächliche Bauarbeiten und eine tragfähige Nutzung mündet. Für ein Gebäude dieser Größe bedeutet jeder weitere Winter eine zusätzliche Belastung der Bausubstanz.

Unerlaubte Besucher und gefährliche Zustände

Der Leerstand zieht seit Jahren Menschen an, die das Gelände unerlaubt betreten. Manche wollen lediglich fotografieren und die verlassene Klinik erkunden. Andere richten Schäden an oder beschädigen Gebäudeteile. Besonders bekannt wurde die Anlage durch eine verbotene Party während des Corona-Lockdowns im Jahr 2020. Seitdem zählt sie zu den weithin bekannten Lost Places Deutschlands.

Die Risiken sind erheblich. In einem Gebäude, das seit 15 Jahren nicht regulär genutzt wird und zunehmend verfällt, können beschädigte Decken, offene Schächte, lose Bauteile und ungesicherte Bereiche zur Gefahr werden. Die Feuerwehr musste bereits eine Person aus dem weitläufigen Gebäudekomplex befreien, nachdem sie sich dort verirrt hatte. Auch die Polizei war innerhalb von zwölf Monaten rund 70-mal vor Ort. Zu den registrierten Vorfällen zählen unter anderem Sachbeschädigungen, Hausfriedensbruch und Diebstähle.

Die Polizei warnt ausdrücklich vor dem Betreten der Anlage. Hausfriedensbruch ist eine Straftat; zugleich kann ein vermeintliches Abenteuer lebensgefährlich werden. Der Reiz des Verlassenen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich nicht um ein frei zugängliches Museum handelt, sondern um Privatgelände mit erheblichen Sicherheitsrisiken.

Auch die Nachbarschaft leidet unter dem Lost Place

Die Auswirkungen beschränken sich nicht auf die Klinik selbst. Direkt neben der Ruine befindet sich der historische Fürstenbau, dessen Eigentümerin ebenfalls mit den Folgen des Leerstands zu kämpfen hat. Immer wieder stehen fremde Menschen vor ihrer Tür, weil sie das bewohnte Gebäude irrtümlich für einen Teil der verlassenen Anlage halten. Die Vermietung von Zimmern werde durch die Situation erheblich erschwert. Die Eigentümerin beschreibt ihre Lage als isolierend und fordert, dass endlich etwas geschehen müsse.

Damit wird deutlich, dass Lost Places nicht nur touristische Kulissen sind. Wo große Immobilien über Jahre ungenutzt bleiben und unzureichend kontrolliert werden, können sie das Umfeld beeinträchtigen – durch unerlaubtes Betreten, Sachbeschädigungen, Sicherheitsprobleme und die Belastung der direkten Nachbarschaft. Für eine kleine Gemeinde ist es besonders schwierig, wenn ein privater Eigentümer die entscheidenden Schritte nicht unternimmt. Die Kommune kann die Immobilie nicht ohne Weiteres selbst entwickeln oder über ihre Zukunft entscheiden.

Gemeinde sieht kaum Handlungsmöglichkeiten

Bürgermeister Bernhard Waidele beklagt gegenüber dem SWR, dass die Gemeinde nur begrenzten Einfluss auf die Eigentümerin habe. Gespräche seien ohne Erfolg geblieben. Nach Angaben des Bürgermeisters wurde ein Sicherheitsdienst beauftragt; außerdem kontrolliert die Polizei das Gelände regelmäßig. Die Eigentümerin reagierte auf Anfragen des SWR telefonisch und per E-Mail nicht.

Ein weiteres Problem ist die Sicherung des Areals. Nachdem Öl ausgetreten und in den Bach Wolf gelangt war, forderte das Landratsamt die Verantwortlichen auf, das Öl zu beseitigen und den Ölrückhalt im Gewässer aufrechtzuerhalten. Weitere Gefahrenquellen sollten ermittelt und beseitigt werden. Zudem muss das gesamte Gelände mit einem weiträumigen Sicherheitszaun gesichert werden. Damit steht zunächst die Gefahrenabwehr im Vordergrund. Eine Sanierung, ein Umbau oder ein Abriss sind davon zu unterscheiden: Welche Lösung langfristig sinnvoll ist, hängt von baulichem Zustand, Finanzierung, Eigentümerentscheidungen und den rechtlichen Rahmenbedingungen ab.

Zwischen Sicherung, Sanierung und Abriss

Die Zukunft der Kurklinik bleibt offen. Die Dimensionen der Anlage, der lange Leerstand und die gescheiterten Hotelpläne machen eine schnelle Lösung unwahrscheinlich. Ein neuer Investor müsste nicht nur ein überzeugendes Nutzungskonzept vorlegen, sondern auch erhebliche Mittel für die Wiederherstellung und den Betrieb aufbringen.

Gleichzeitig ist der Status quo keine tragfähige Dauerlösung. Ein verfallender Großkomplex, der Menschen anzieht und wiederholt Einsätze von Polizei und Feuerwehr auslöst, belastet die Gemeinde und gefährdet diejenigen, die das Gelände unerlaubt betreten. Eine konsequente Sicherung ist deshalb unverzichtbar – unabhängig davon, ob später saniert oder abgerissen wird.

Die ehemalige Kurklinik in Bad Rippoldsau-Schapbach ist damit ein Beispiel für die Schattenseite des Lost-Place-Tourismus. Der Verfall mag auf Fotos eine besondere Atmosphäre erzeugen. Vor Ort geht es jedoch um Verantwortung, Sicherheit und die Frage, wer die Folgen eines jahrelangen Stillstands trägt. Solange eine realistische Perspektive fehlt, bleibt die Klinik nicht nur ein Symbol gescheiterter Investitionspläne, sondern auch ein ungelöstes Problem für den Schwarzwaldort.

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