Zippendorf. Seit mehr als zwei Jahrzehnten verfällt das ehemalige Strandhotel in Schwerin-Zippendorf. Nun hält der neue Projektentwickler einen Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes für technisch nicht machbar und hat den Abriss beantragt. Die Stadt will das historische Haus jedoch bewahren. Damit bleibt die Zukunft des einstigen Ferienhotels am Schweriner See umstritten.
Das 1910 errichtete Strandhotel war über Jahrzehnte ein beliebtes Ausflugsziel und insbesondere zu DDR-Zeiten ein bekanntes Feriendomizil. Nach der Schließung blieb das Gebäude über Jahre ungenutzt. Eingeschlagene Fenster, beschädigte Fassaden und zunehmender Verfall prägen inzwischen das Bild der einstigen Adresse am Zippendorfer Strand.
Der neue Projektentwickler Paul Howaldt hält eine Sanierung nach einem beauftragten Gutachten für „technisch nicht darstellbar“. Deshalb wurde im Januar 2026 der Abriss beantragt. Die Unterlagen umfassen nach früheren Angaben der Stadt eine umfangreiche Begründung. Die Verwaltung und die zuständige Denkmalbehörde prüfen den Antrag jedoch kritisch und sehen bislang keine ausreichenden Gründe für eine Abrissgenehmigung.
Stadt setzt auf den Erhalt des Denkmals
Baudezernent Bernd Nottebaum hat deutlich gemacht, dass die Stadt das Strandhotel erhalten möchte. Die Hürden für einen Abriss seien hoch. Die Prüfung der eingereichten Unterlagen ist damit ein entscheidender Schritt für die weitere Entwicklung des Grundstücks. Der Projektentwickler betont zugleich, dass er an einer Entwicklung des Areals festhalten wolle. Vorgesehen sind eine Kombination aus Wohnen und touristischer Nutzung. Wie das Strandhotel in ein neues Gesamtkonzept integriert werden könnte, soll nach seiner Vorstellung gemeinsam mit Verwaltung und Denkmalpflege erarbeitet werden. Konkrete Pläne für eine mögliche gestalterische Neuinterpretation des Gebäudes sind bislang allerdings offen.
Ferienresort sorgt seit Jahren für Diskussionen
Die Zukunft des Strandhotels ist eng mit größeren Bauplänen für den Zippendorfer Strand verbunden. Frühere Entwürfe sahen mehrere Hundert Ferienwohnungen und zusätzliche Wohnungen für dauerhaftes Wohnen vor. Die Dimensionen der Vorhaben stießen auf Kritik – unter anderem wegen möglicher Auswirkungen auf das Landschaftsschutzgebiet Orthmannsche Wiese und die Naturflächen am See. Die Debatte dreht sich deshalb nicht allein um ein marodes Gebäude. Sie berührt auch die Frage, wie viel Neubau ein landschaftlich sensibler Standort verträgt und welchen Stellenwert historische Bausubstanz bei der touristischen Entwicklung haben soll.
Ein Denkmal zwischen Verfall und Neubauinteressen
Das Strandhotel Zippendorf steht exemplarisch für ein Problem, das vielerorts zu beobachten ist: Jahrzehntelanger Leerstand verschärft den baulichen Zustand, während Sanierungskosten und Nutzungsmöglichkeiten immer schwieriger in Einklang zu bringen sind. Wenn der Abriss beantragt wird, stellt sich daher nicht nur die Frage nach der technischen Machbarkeit einer Rettung, sondern auch nach dem politischen und gesellschaftlichen Willen zum Erhalt.
Noch ist nicht entschieden, ob das Gebäude verschwinden darf. Für das denkmalgeschützte Strandhotel geht es damit um mehr als die Zukunft einer Ruine: Es geht um den Umgang mit einem Stück Schweriner Stadt- und Tourismusgeschichte.
