Homann-Werksgelände vor dem großen Wandel

Foto: Stadt Dissen
Foto: Stadt Dissen

Dissen. Das ehemalige Homann-Werksgelände in Dissen am Teutoburger Wald ist ein Ort im Übergang. Wo über Jahrzehnte Feinkostprodukte hergestellt wurden, prägen heute leer stehende Industriegebäude und ungenutzte Flächen das Bild. Öffentliche Rundgänge ermöglichten Interessierten, das weitläufige Areal noch einmal in seiner bisherigen Form zu erleben – bevor der geplante Umbau das Gelände grundlegend verändert.

Mehr als 120 Jahre Homann in Dissen

Die Geschichte des Standorts begann 1876, als Fritz Homann in Dissen eine Wurst- und Fleischwarenfabrik gründete. Später kamen weitere Produktionszweige hinzu. Das Unternehmen wurde zu einem wichtigen Arbeitgeber und prägte über Generationen das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der Stadt. Mit der endgültigen Schließung des Werks Ende 2022 endete dieses Kapitel. Das rund 13 Hektar große Gelände ging in die Verantwortung der Osnabrücker Land-Entwicklungsgesellschaft (oleg) über. Seitdem wird daran gearbeitet, die Industriebrache zu revitalisieren und für eine neue Nutzung vorzubereiten.

Einblicke in die verborgene Werkswelt

Bei geführten Rundgängen konnten Besucher die Dimensionen des ehemaligen Produktionsstandorts und seine baulichen Besonderheiten kennenlernen. Die Besichtigungen machten deutlich, wie stark Homann Dissen geprägt hat – und welche Herausforderungen mit der Umwandlung des Geländes verbunden sind. Dazu gehören neben dem Leerstand auch Altlasten, versiegelte Flächen und sanierungsbedürftige historische Bausubstanz.

Die große Nachfrage nach den früheren Besichtigungsterminen zeigte, dass das Interesse an der Industriegeschichte des Standorts weiterhin hoch ist. Für viele Menschen ist das Gelände nicht einfach eine verlassene Fabrik, sondern ein Ort persönlicher Erinnerungen an Arbeitsplätze, Familiengeschichten und den Alltag einer Industriestadt.

Vom Lost Place zum neuen Stadtquartier

Die Zukunft des Areals ist inzwischen Gegenstand konkreter Planungen. Im Juni 2026 wurde der städtebauliche Wettbewerb entschieden. Den ersten Preis erhielt das Büro RKW Architektur + aus Düsseldorf. Der Entwurf sieht ein gemischtes Quartier mit verschiedenen Wohnformen, Freiräumen und Flächen für Arbeiten und soziale Nutzungen vor. Dabei soll nicht die gesamte industrielle Vergangenheit verschwinden. Denkmalgeschützte Fassaden und der Wasserturm sollen als identitätsstiftende Elemente erhalten bleiben. Andere Gebäude könnten dem Rückbau weichen. Die Entwicklung wird schrittweise erfolgen und dürfte sich über Jahre erstrecken.

Abschied von einer prägenden Industriebrache

Der Rundgang durch das Homann-Areal ist damit auch eine Begegnung mit einer Übergangsphase: Die alte Nutzung ist beendet, die neue noch nicht vollständig sichtbar. Gerade solche Zwischenzustände machen ehemalige Industrieanlagen zu aufschlussreichen Orten der Stadtentwicklung. Sie zeigen, wie eng wirtschaftlicher Wandel, baulicher Verfall und die Frage nach dem Erhalt historischer Substanz miteinander verbunden sind.

Für Dissen steht viel auf dem Spiel. Aus dem früheren Werksgelände soll ein neues Stück Stadt werden. Ob dabei genügend von der Geschichte Homanns sichtbar bleibt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

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