Bühl. Die Zukunft der Hundseck-Ruine an der Schwarzwaldhochstraße bleibt weiter ungeklärt. Nachdem Land, Stadt Bühl, Gemeinde Ottersweier und Landkreis Rastatt Anfang des Jahres noch einen gemeinsamen Weg für den Abriss gefunden hatten, ist der geplante Rückbau 2026 offenbar vom Tisch. Ein konkreter neuer Termin steht nicht fest. Eigentlich sollte das ehemalige Kurhaus bereits im September 2026 verschwinden. Im Februar hatten sich die beteiligten Behörden auf eine Aufteilung der Aufgaben verständigt: Die Stadt Bühl sollte den Abriss organisieren, das Landratsamt Rastatt die Entsorgung des Materials übernehmen. Das Land Baden-Württemberg sagte Unterstützung bei den Entsorgungskosten zu.
Doch aus dem angekündigten Abriss wird vorerst nichts. Nach Angaben der Stadt Bühl bestehen weiterhin offene Fragen zur Finanzierung und zur weiteren Vorgehensweise. Das Land wiederum betont, an seiner Zusage zur Übernahme der Entsorgungskosten festzuhalten – auch angesichts gestiegener Kosten.
Hunderttausende Euro für eine Ruine
Die Kosten sind ein wesentlicher Knackpunkt. Ursprünglich wurden rund 660.000 Euro für den Abriss veranschlagt. Inzwischen wird mit höheren Kosten gerechnet. Gleichzeitig sollen die Eigentümer des Gebäudes rechtlich für die entstandenen Aufwendungen herangezogen werden. Sie haben sich nach Angaben der Behörden seit Jahren nicht um die Immobilie gekümmert und sind offenbar nur schwer erreichbar. Die öffentliche Hand steht damit vor dem bekannten Problem: Der Abriss muss aus Sicherheitsgründen organisiert werden, gleichzeitig ist unklar, ob und wann sich die Kosten bei den Eigentümern tatsächlich eintreiben lassen.
Einst Hotel, heute Lost Place
Das Gebäude stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde ursprünglich als Hotel genutzt. In den 1960er-Jahren wurde es zum Erholungsheim für Bergarbeiter aus dem Ruhrgebiet. Seit 1982 steht das Haus leer. Spätestens nach schweren Schäden durch den Orkan Lothar 1999 begann der endgültige Niedergang. Inzwischen ist vom einstigen Kurhaus kaum mehr als eine stark verfallene Ruine geblieben. Wegen der zunehmenden Gefahren mussten bereits in der Vergangenheit Gebäudeteile auf behördliche Anordnung abgebrochen werden. Ende 2024 verfügte die Stadt Bühl schließlich den Abriss des Hauptgebäudes.
Fledermäuse bremsen den Abriss zusätzlich
Auch der Naturschutz spielt eine Rolle. In der Ruine wurden Nordfledermäuse festgestellt. Deshalb darf der Abriss nur unter Beachtung der entsprechenden Schutzzeiten erfolgen. Für 2026 wäre das Zeitfenster entsprechend eng gewesen. Damit bleibt die Hundseck-Ruine auch nach mehr als vier Jahrzehnten Leerstand stehen. Der angekündigte Schlussstrich an der Schwarzwaldhochstraße ist erneut vertagt.
Ein Symbol des Verfalls
Die Hundseck-Ruine steht inzwischen exemplarisch für den Niedergang einst bedeutender touristischer Einrichtungen entlang der Schwarzwaldhochstraße. Während die B500 früher zahlreiche Besucher in den Nordschwarzwald lockte, stehen heute mehrere historische Häuser leer oder verfallen.
Der Abriss der Hundseck-Ruine sollte dieses Kapitel eigentlich beenden. Stattdessen geht das jahrelange Tauziehen weiter. Wann der Bagger tatsächlich anrückt, ist derzeit offen.
