Historisches Bahnhofsgebäude wird zur Ausflugsgaststätte

Foto: Einsamer Schütze/CC BY-SA 4.0
Foto: Einsamer Schütze/CC BY-SA 4.0

Philippshagen/Rügen. Jahrzehntelang fuhr die Rügener Schmalspurbahn „Rasender Roland“ an einem verfallenden Gebäude vorbei. Nur auf Wunsch hielt der Zug an der Bedarfshaltestelle Philippshagen – dort, wo einst das traditionsreiche Ausflugslokal „Tannenheim“ Gäste bewirtete. Jetzt kehrt neues Leben in das denkmalgeschützte Gebäude ein.

Von der Ruine zum Schmuckstück

Susanne Wilhelm, Projektentwicklerin mit Fokus auf Denkmalpflege, und die SUMA Gesellschaft für Haus- und Grundbesitz haben sich des alten Bahnhofsgebäudes angenommen. Nach jahrelangem Leerstand und Verfall mit Vandalismus, Müll und Graffiti begann im September 2024 die aufwendige Sanierung. Ende April 2025 war der größte Teil der Arbeiten geschafft – nur Innenausbau und Terrasse fehlen noch.

„Das Gebäude ist ein wichtiges zeithistorisches Zeugnis für die Region“, betont Wilhelm. Es wurde um 1902 als Raststätte für Reisende und Landwirte errichtet, nachdem die Bahnstrecke Putbus–Göhren erweitert worden war. Hermann und Luise Koch eröffneten dort das Restaurant Tannenheim – bald mit Anbau, Wartebereich und Viehwaage.

Ein Ort mit bewegter Geschichte

In den 1950er-Jahren übernahm Tochter Käthe Trogisch den Betrieb. Besonders in der frühen DDR-Zeit war Tannenheim ein beliebter Treffpunkt. Wanderer, Jäger und Einheimische genossen das gemütliche Ambiente – besonders Käthes selbstgemachte Waffeln galten als legendär. Doch politischer Druck führte 1966 zur Schließung. Käthe wohnte fortan allein im Haus und blieb ihm bis zu ihrem Tod 1995 treu.

Nach der Wiedervereinigung stand das Gebäude unter Denkmalschutz. Der Verkauf an Wilhelm und ihr Team erfolgte 2024 – rund 120 Jahre nach seiner Erbauung. Trotz eingestürzter Gebäudeteile war die Grundsubstanz solide, vieles konnte gerettet werden.

Herausforderungen und Visionen

Ein ungelöstes Problem bleibt die Stromversorgung – Solarenergie ist wegen Waldbrandgefahr nicht erlaubt, andere Lösungen sind in Arbeit. Für die Gastronomie wird nun ein engagierter Betreiber gesucht – mit Blick auf das kulinarische Erbe: „Jemand, der grillen kann – und vielleicht auch Käthes Waffeln neu interpretiert“, so Wilhelm.

Mit rund 120 Quadratmetern bietet das Haus künftig Platz für Gäste, einen offenen Tresen mit Küche, Lager- und Spülbereich sowie eine Terrasse. Fußbodenheizung mit Wärmepumpe sorgt für modernen Komfort – ein Kompromiss, da ein Holzboden aus Denkmalschutzgründen nicht möglich war.

Ein Ort mit Seele – und Zukunft

Die historische Bedeutung des Ortes soll auch künftig sichtbar bleiben – etwa durch eine Bilderwand zur Geschichte von 1901 bis heute. Originalsteine mit Graffiti wurden gereinigt und einfach umgedreht – Vergangenheit, die mitgedacht wurde.

Für Wilhelm ist das Projekt mehr als ein Gebäude: „Hier geht es auch um regionale Identität. Zu viel Historisches wurde schon abgerissen. Tannenheim ist ein Ort, der bleiben muss.“ Und wer weiß – vielleicht hält der Rasende Roland bald wieder regelmäßig in Philippshagen, wenn der Duft von Gegrilltem und frisch gebackenen Waffeln durch den Wald zieht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert