Eichthal/Vorpommern-Rügen. Versteckt im Wald und umrankt von Legenden: Der frühere NVA-Bunker 302 in Eichthal nahe der Ostsee steht erneut zum Verkauf. Das monumentale Bauwerk aus Zeiten des Kalten Krieges umfasst drei Etagen mit rund 2200 Quadratmetern Fläche und liegt auf einem über 17 Hektar großen Areal. Bereits in der Vergangenheit hatte der Besitzer versucht, einen Käufer für das unter Denkmalschutz stehende Objekt zu finden – bislang vergeblich.
Bunker mit Museumsgeschichte und Schutzfunktion
Der Berliner Götz Thomas Wenzel hatte das Areal 2005 gekauft und in ein außergewöhnliches Museum umgewandelt. Unter dem Namen „Museum der dramatischen Art“ zog die Anlage jahrelang tausende Interessierte an – trotz oder gerade wegen ihrer düsteren Atmosphäre. Die Führungen endeten allerdings vor einigen Jahren. Steigende Betriebskosten, die Corona-Pandemie und Bauarbeiten auf umliegenden Straßen sorgten für sinkenden Besucherverkehr.
Technisch ausgeklügelte Anlage mit Schutzklasse D
Der Bunker wurde 1986 fertiggestellt und diente der Nationalen Volksarmee der DDR als wichtige Troposphärenfunk-Zentrale. Er war für den Ernstfall gerüstet: Bei einem atomaren oder chemischen Angriff hätten sich hier Nachrichteneinheiten für mindestens sechs Stunden vor gefährlichen Stoffen schützen können. Zwei Tiefgeschosse mit insgesamt 1800 Quadratmetern und fünf Hochbunker-Kammern mit weiteren 500 Quadratmetern machen das Herzstück der Anlage aus.
Dazu gehören weitere Gebäude wie Tarn- und Wachhäuser, ein Stabsgebäude, eine eigene Kläranlage, Wasserwerk, Pumpenhaus, Garagen samt Wartungshalle und ein moderner Glasfaseranschluss. Das Gelände ist eingezäunt und teilweise videoüberwacht. Zudem besteht eine Genehmigung für bis zu zwölf Wohneinheiten – ein Hinweis darauf, dass das Gelände auch umgenutzt werden könnte.
Verkauf mit Auflagen – Preis bleibt offen
Das aktuelle Verkaufsangebot erscheint auf der Plattform www.makellos-europa.de – diesmal ohne Angabe eines Kaufpreises. Lediglich die Maklercourtage von 20.000 Euro zuzüglich Umsatzsteuer wird aufgeführt. Zusätzlich sei beim Kauf mit einer zu verhandelnden monatlichen Aufwandsentschädigung für den Weiterbetrieb der Anlage zu rechnen.
Bereits 2022 wurde der Bunker für 1,75 Millionen Euro angeboten, fand jedoch keinen Käufer. Die Museumswebseite ist mittlerweile offline, der Eigentümer für Rückfragen nicht erreichbar.
Geheimnisse und Gerüchte aus DDR-Zeiten
Lange rankten sich Gerüchte um die streng geheime Anlage. Einige behaupteten, dort seien sogar U-Boote gebaut worden. Wahrscheinlicher ist eine enge Verbindung zum Reserveflugplatz Warbelow in der Nähe, die jedoch nie offiziell bestätigt wurde. Der Bunker war Teil eines Kommunikationsnetzes, das im Ernstfall verschlüsselte Nachrichten über Wochen hätte übermitteln sollen.
Ein Traum endet – und bietet neue Möglichkeiten
Für Götz Thomas Wenzel, der sich zuvor bereits mit unterirdischen Bauwerken in Berlin beschäftigt hatte, war die Anlage ein Herzensprojekt. Der Rückgang des Besucherinteresses und wirtschaftliche Herausforderungen bedeuteten jedoch das Aus für das Museum – und nun möglicherweise den Anfang für ein neues Kapitel. Ob als historisches Museum, privates Refugium oder besondere Immobilie: Der Bunker 302 wartet auf jemanden, der sein Potenzial erkennt.
