Ehemaliges Heidingsfelder-Industriegelände wird zugänglich

Foto: FB Stadtplanung
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Heidingsfeld. Nach rund 130 Jahren industrieller Nutzung soll ein ehemaliges Betriebsgelände am Mainufer im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld eine neue Zukunft erhalten. Wo einst Leder gegerbt und später Saft produziert wurde, plant die Stadt eine rund 19.200 Quadratmeter große Freizeit- und Parkanlage. Der Planungsausschuss hat im Oktober 2026 den Bau- und Finanzierungsbeschluss gefasst. Der Baustart ist für Sommer 2027 vorgesehen, die Fertigstellung für Sommer 2029.

Das Grundstück an der Seilerstraße 20 blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. 1892 erwarb die Glacé-Lederfabrik Oestreicher das ehemalige Gelände der Froschmühle und richtete dort eine Ledergerberei ein. Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte der Betrieb zu den bedeutendsten Arbeitgebern im damaligen Heidingsfeld.

Die Geschichte des Unternehmens ist auch mit einem dunklen Kapitel deutscher Vergangenheit verbunden. 1938 wurde der jüdische Betrieb im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgung enteignet und unter dem Begriff der sogenannten „Arisierung“ weitergeführt. Mitglieder der Familie Oestreicher wurden deportiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wechselten die Nutzungen. Zwischen 1943 und 1958 stellte die Firma Kindermann fotografische Dunkelkammergeräte her. Von 1958 bis 1997 war schließlich der Safthersteller Bayla auf dem Gelände ansässig. Nach dem Ende der industriellen Nutzung erwarb die Stadt Würzburg das Grundstück. Die verbliebenen Betriebsgebäude wurden 2013 abgerissen.

Altlasten machen die Neugestaltung kompliziert

Die industrielle Vergangenheit hinterließ erhebliche Spuren im Boden. Vor allem die frühere Ledergerberei verursachte Verunreinigungen, die bei späteren Untersuchungen festgestellt wurden. Bereits 2013 wurde der Boden auf einer Teilfläche bis in eine Tiefe von drei Metern ausgehoben. 2020 folgte eine weitere Altlastensanierung.

Bei aktuellen Untersuchungen wurden zudem Ölverunreinigungen festgestellt. Weitere Bodenproben, Sondierungen und Grundwasseruntersuchungen sind deshalb notwendig. Die Stadt steht damit vor der Herausforderung, das Gelände öffentlich nutzbar zu machen, ohne durch umfangreiche Erdarbeiten möglicherweise Schadstoffe freizusetzen oder ins Grundwasser zu verlagern.

Eine große Betonbodenplatte, die vom früheren Fabrikbetrieb stammt, soll deshalb weitgehend erhalten bleiben. Auf rund 1.000 Quadratmetern ist ein sogenannter Betongarten vorgesehen. Er soll zugängliche und nicht betretbare Bereiche miteinander verbinden und die Spuren der industriellen Vergangenheit bewusst sichtbar lassen.

Eine halbe Kilometer lange Promenade und neue Freizeitangebote

Das Herzstück der Planung bildet eine rund 500 Meter lange, geschwungen verlaufende Uferpromenade. Sie soll den Mainuferweg mit dem historischen Ortskern Heidingsfelds verbinden und neue Blickbeziehungen zum Fluss schaffen. Die stark bewachsene Uferböschung wird dafür teilweise ausgelichtet.

Auch die Freizeitmöglichkeiten sollen deutlich erweitert werden. Geplant sind Grillplätze, Picknicktische und Tischtennisplatten. Hinzu kommen ein Streetballfeld, ein Scooter-Parcours und eine Spielskulptur. Vier der bislang sechs vorhandenen Maintreppchen sollen instand gesetzt werden und weiterhin den Zugang zum Wasser ermöglichen. Der bisherige Parkplatz auf dem Gelände entfällt. Als Ersatz ist ein neuer Parkplatz mit 45 Stellplätzen vorgesehen, der mit trockenheitsresistenten Bäumen bepflanzt werden soll. Eine öffentliche Toilette kann wegen der Lage im Überschwemmungsgebiet nicht eingerichtet werden.

Hochwasserschutz setzt Grenzen

Das Areal liegt im Überschwemmungsgebiet des Mains und des Heigelsbachs. Die Planung muss deshalb nicht nur die Altlastenproblematik, sondern auch die Anforderungen des Hochwasserschutzes berücksichtigen. Direkte Eingriffe in die Uferzone sind nach Empfehlung der zuständigen Fachbehörden nicht vorgesehen. Bei Bauarbeiten in unmittelbarer Wassernähe könnten Schadstoffe mobilisiert werden und einen umfangreichen Bodenaustausch erforderlich machen. Stattdessen sollen Rückhalteflächen und wechselfeuchte, bepflanzte Senken entstehen, die bei Hochwasser Wasser aufnehmen können. Auch bei der Gestaltung des Geländes sind deshalb Kompromisse notwendig. Die neue Parkanlage soll Erholung ermöglichen, zugleich aber die besonderen wasserwirtschaftlichen und ökologischen Bedingungen des Standorts berücksichtigen.

Drei Millionen Euro für die Umgestaltung

Die Stadt Würzburg kalkuliert derzeit mit Baukosten von rund drei Millionen Euro. Eine Förderung von bis zu 80 Prozent über das Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm „Klima wande(l)t“ ist vorgesehen. Zusätzliche Kosten sind allerdings nicht ausgeschlossen, falls weitere Bodenbelastungen festgestellt werden.

Das Plangebiet umfasst insgesamt 19.200 Quadratmeter. Dabei befindet sich nur etwa die Hälfte der Fläche im Eigentum der Stadt Würzburg. Die übrigen Grundstücksteile gehören der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung.

Wenn der Zeitplan eingehalten werden kann, beginnen die Bauarbeiten im Sommer 2027. Die Fertigstellung ist für Sommer 2029 vorgesehen. Bis dahin bleiben weitere Untersuchungen und das notwendige Wasserrechtsverfahren wichtige Voraussetzungen für die Umsetzung.

Vom Industriegelände zum öffentlichen Erholungsraum

Die Umgestaltung in Heidingsfeld zeigt, wie schwierig die Nachnutzung ehemaliger Industriestandorte sein kann. Der Abriss der Fabrikgebäude hat die industrielle Geschichte des Areals bereits weitgehend aus dem Stadtbild verschwinden lassen. Mit dem geplanten Betongarten soll zumindest ein Teil dieser Vergangenheit sichtbar bleiben.

Aus einer lange brachliegenden Fläche soll ein öffentlicher Freiraum entstehen, der den Stadtteil wieder stärker mit dem Main verbindet. Dabei wird das Gelände nicht vollständig neu gestaltet, sondern seine vorhandene Substanz teilweise in das Konzept integriert. Die frühere Industriebrache soll damit nicht einfach verschwinden, sondern eine neue Funktion erhalten – als Park, Freizeitfläche und Erinnerung an die wechselvolle Geschichte des Standorts.

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