Ehemalige Munitionsbunker werden zum Fledermausparadies

Foto: Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein
Foto: Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein

Nordoe. Wo einst Munition lagerte, finden künftig bedrohte Fledermausarten einen geschützten Platz für ihren Winterschlaf. Im Naturschutzgebiet Binnendünen Nordoe bei Itzehoe hat die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein zwölf ehemalige Munitionsbunker umgebaut. Aus militärischen Hinterlassenschaften ist ein bedeutendes Rückzugsgebiet für heimische Fledermäuse entstanden.

Zwölf Bunker für den Fledermausschutz umgebaut

Im Naturschutzgebiet Binnendünen Nordoe im Kreis Steinburg haben ehemalige Munitionsbunker eine neue Bestimmung erhalten. Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein hat zwölf der früheren Militäranlagen zu Winterquartieren für Fledermäuse umgestaltet. Das Projekt soll den Tieren einen geschützten Rückzugsort bieten, an dem sie die kalte Jahreszeit möglichst ungestört überstehen können.

Dabei wurde nicht einfach nur ein Zugang geöffnet und der Rest sich selbst überlassen. Die Bunker wurden gezielt an die unterschiedlichen Bedürfnisse verschiedener Fledermausarten angepasst. Zehn Anlagen bieten feuchte und frostfreie Bedingungen, zwei weitere wurden trockener und kühler gestaltet. So sollen möglichst viele Arten geeignete Verstecke finden.

Tausende Verstecke in ehemaligen Militäranlagen

Für die Umgestaltung waren umfangreiche Arbeiten erforderlich. Die Naturschützer brachten knapp 500 Hohlblocksteine sowie spezielle Fledermauskästen mit Spalten und Hohlräumen an Decken, Wänden und in ehemaligen Lüftungsschächten an. Auf diese Weise entstanden zahlreiche kleine Rückzugsmöglichkeiten. Insgesamt stehen den Tieren nach Angaben der Stiftung fast 5.000 potenzielle Verstecke zur Verfügung. Auch die Ein- und Ausflugmöglichkeiten wurden angepasst. Fledermäuse sollen die Bunker erreichen können, während andere Öffnungen verschlossen wurden. Gleichzeitig sicherte die Stiftung die Zugänge gegen unbefugtes Betreten. Das ist nicht nur eine Frage der Sicherheit, sondern entscheidend für den Schutz der Tiere: Schon Störungen während des Winterschlafs können für Fledermäuse gefährlich werden.

Unterschiedliche Arten brauchen unterschiedliche Bedingungen

Die zehn feuchteren und frostfreien Bunker sind für Langohren-, Bart- und Mausohrenfledermäuse vorgesehen. Die beiden trockeneren und kühleren Anlagen sollen dagegen Zwerg- und Mückenfledermäusen geeignete Bedingungen bieten. Der Aufwand ist notwendig, weil Fledermäuse während des Winters auf bestimmte klimatische Verhältnisse angewiesen sind. Von November bis März benötigen sie möglichst gleichbleibende Temperaturen, eine hohe Luftfeuchtigkeit und vor allem Ruhe. Geeignete natürliche Winterquartiere wie Höhlen und Stollen sind in Schleswig-Holstein vergleichsweise selten. Ehemalige militärische Anlagen können deshalb eine wichtige Ersatzfunktion übernehmen.

Vom Munitionslager zum Naturschutzprojekt

Das Projekt in Nordoe zeigt, wie sich ehemalige Militärflächen nach ihrer ursprünglichen Nutzung weiterentwickeln können. Bunker, die einst ausschließlich militärischen Zwecken dienten, werden zu Lebensräumen für streng geschützte Tierarten. Die baulichen Hinterlassenschaften bleiben dabei erhalten, erhalten aber eine völlig neue Funktion.

Für die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein ist das Vorhaben ein wichtiger Beitrag zum Schutz gefährdeter heimischer Fledermausarten. Projektleiter Michael Ott verbindet damit die Hoffnung, dass sich Nordoe zu einem bedeutenden Überwinterungsstandort im Land entwickelt. Eine Besichtigung der Bunker ist nicht vorgesehen. Das Gelände und die Anlagen bleiben dauerhaft verschlossen, damit die Tiere während ihrer empfindlichen Ruhephase nicht gestört werden. Eine einmalige Zählung soll gemeinsam mit Fachleuten erfolgen.

Industriekultur und Militärgeschichte als Lebensraum

Die ehemaligen Munitionsbunker in Nordoe stehen beispielhaft für einen ungewöhnlichen Umgang mit militärischen Altanlagen. Wo andernorts über Abriss, Rückbau oder eine neue Nutzung ehemaliger Militärstandorte diskutiert wird, werden die Gebäude hier gezielt als Rückzugsräume für bedrohte Arten erhalten und umgebaut.

Damit verbindet das Projekt den Umgang mit baulichen Hinterlassenschaften mit aktivem Naturschutz. Die Bunker verlieren ihre ursprüngliche Funktion endgültig – ihre massive Bauweise und die abgeschirmten Innenräume werden jedoch zu einem Vorteil für die Tierwelt. Aus Orten militärischer Lagerung sind geschützte Winterquartiere geworden.

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