Dresden. Jahrzehntelang wirkte die historische Schaltanlage 30 auf dem Gelände des Dresdner Kraftwerks Mitte wie ein Gefängnis. Enge Schaltzellen, lange Gänge, Gitterroste und wenig Tageslicht brachten dem zwischen 1926 und 1929 errichteten Gebäude den Spitznamen „Alcatraz“ ein. Bis 1994 wurde hier Strom verteilt, danach stand der markante Klinkerbau weitgehend leer. Nun bekommt das ehemalige Schaltwerk eine völlig neue Funktion.
15 Millionen Euro für den Neustart
SachsenEnergie hat rund 15 Millionen Euro in die Sanierung investiert. Aus dem abgeschotteten Industriegebäude sind moderne Arbeits-, Veranstaltungs- und Gemeinschaftsbereiche entstanden. Rund 3.000 Quadratmeter Fläche stehen künftig zur Verfügung. Eine neue „Himmelsleiter“ führt Tageslicht ins Innere, offene Bereiche ersetzen die frühere kleinteilige Struktur.
Start-ups statt Schaltanlagen
Künftig sollen hier Wissenschaftler, Gründer und technologieorientierte Unternehmen arbeiten. Die TU Dresden Aktiengesellschaft (TUDAG) will mit rund 150 Mitarbeitern einziehen. Gemeinsam mit dem Technologiezentrum Dresden entsteht ein Standort für Deeptech-Gründungen, Prototypenbau und Wissenstransfer. Auch ein Makerspace und offene Veranstaltungsflächen gehören zum neuen Konzept.
Kraftwerk Mitte wird zum Kreativstandort
Die Schaltanlage ist Teil eines umfassenden Wandels des ehemaligen Kraftwerks Mitte. Wo einst Energie produziert und verteilt wurde, befinden sich heute unter anderem Theater, Staatsoperette, Gastronomie, Ateliers und weitere Kulturangebote. Mit der neuen Nutzung der historischen Schaltanlage nähert sich die Revitalisierung des Areals ihrem Abschluss. Die Arbeiten am gesamten Standort sollen nach aktueller Planung Mitte 2027 beendet sein.
Aus einem verlassen wirkenden Industriegebäude wird damit ein Ort für Innovation. Der Charakter des einstigen „Alcatraz“ ist weitgehend verschwunden – die Geschichte des Gebäudes bleibt jedoch Teil des neuen Dresdner Kreativ- und Technologiestandorts.
