Beelitz. Die Beelitzer Heilstätten in Brandenburg schlagen ein neues Kapitel auf: Wo einst Patienten in historischen Bade- und Behandlungsräumen kuriert wurden und später ein bekannter Lost Place entstand, soll künftig Licht- und Medienkunst Besucher anziehen. Mit der Ausstellung „Nebula“ verwandeln Künstler die denkmalgeschützte Architektur in eine immersive Erlebniswelt. Die Eröffnung ist für den 5. September 2026 geplant.
Im Mittelpunkt des Projekts steht das mehr als 100 Jahre alte Badehaus. Das Gebäude wird seit 2020 aufwendig saniert, rund 25 Millionen Euro fließen nach Angaben des Berichts in die Restaurierung. Die historische Architektur mit bleiverglasten Fenstern, geschwungenen Treppen und alten Fliesen bleibt dabei prägend. Für „Nebula“ wird das Tageslicht weitgehend ausgesperrt. Stattdessen setzen Lichtstrahlen, Laser und Videoprojektionen die Räume neu in Szene. Wände und Decken scheinen sich zu verändern oder sogar in Bewegung zu geraten. Die historische Bausubstanz wird damit selbst zum Bestandteil der Kunst.
Kuppelsaal wird zum Zentrum der Installation
Eine besondere Rolle spielt der historische Kuppelsaal. Dort befindet sich noch immer das frühere Kältebecken, in dem sich Patienten nach Sauna- und Badeanwendungen abkühlten. Für die Ausstellung wird das Wasser mithilfe von Licht und Projektionen virtuell wieder sichtbar gemacht. Dazu kommen Soundeffekte und bewegte Projektionen, die den Eindruck einer sich öffnenden oder verändernden Kuppeldecke erzeugen. Der Name „Nebula“ – zu Deutsch Sternenwolke – steht sinnbildlich für einen entrückten Raum, in dem etwas Neues entstehen soll. Die Künstler wollen dabei keine klassische Ausstellung im herkömmlichen Sinn schaffen, sondern eine Atmosphäre, in der Architektur, Licht, Klang und Bewegung miteinander verschmelzen.
Kunst reagiert auf die Besucher
Die Installationen beschränken sich nicht auf statische Projektionen. Teilweise reagieren sie unmittelbar auf die Bewegungen des Publikums. Bewegungen können Lichtimpulse auslösen und damit die Wahrnehmung der Kunstwerke verändern. Auch die Verbindung von Natur und Technik spielt eine Rolle. In einem früheren Behandlungsraum wird beispielsweise eine Baumwurzel durch Projektionen immer wieder visuell verwandelt. Das natürliche Objekt erscheint zeitweise beinahe technisch, bevor es wieder zu seiner ursprünglichen Form zurückkehrt. Die moderne Medientechnik soll nach Angaben der Verantwortlichen die historische Architektur nicht überlagern. Vielmehr soll sie behutsam in die vorhandenen Räume integriert werden.
Vom Lost Place zum Kulturstandort
Die Entwicklung markiert einen deutlichen Wandel für die Beelitzer Heilstätten. Zwischen 1898 und 1930 entstand auf einem rund 200 Hektar großen Areal eine der größten historischen Krankenhausanlagen im Berliner Umland. Rund 60 Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz. Das Badehaus war einst Teil einer modernen Lungenheilanstalt. Neben Moor- und Dampfbädern gab es Ruheräume und einen Fitnessbereich – für die damalige Zeit eine außergewöhnlich moderne medizinische Infrastruktur.
Nach verschiedenen Nutzungsphasen als Lungenheilstätte, Lazarett und sowjetisches Militärhospital standen große Teile des Areals nach 1994 leer. Die Gebäude verfielen und entwickelten sich zu einem der bekanntesten Lost Places Deutschlands. Verwilderte Grundstücke und teilweise durch Dächer wachsende Bäume machten die Heilstätten zu einem beliebten Motiv für Fotografen und Filmproduktionen.
Lichtkunst soll dauerhaft bleiben
Mit „Nebula“ soll nun nicht nur eine zeitlich begrenzte Ausstellung entstehen. Das Projekt ist langfristig angelegt. Die Inhalte sollen etwa alle sechs Monate wechseln und durch neue Kunstwerke, Geschichten und visuelle Welten ergänzt werden.
Nach Angaben der künstlerischen Leitung soll in Beelitz ein bedeutender Standort für Medienkunst entstehen. Bemerkenswert ist dabei, dass das Projekt vollständig von Kunst- und Kulturschaffenden getragen wird und ohne öffentliche Fördergelder auskommen soll. Damit könnte sich das ehemalige Sanatorium endgültig vom verlassenen Lost Place zum dauerhaften Kulturstandort entwickeln. Die historische Architektur bleibt dabei nicht bloße Kulisse: Sie wird selbst zur Projektionsfläche und zum zentralen Bestandteil des künstlerischen Konzepts.
