Brakel. Die Zukunft der Alten Molkerei im Brakeler Ortsteil Gehrden scheint besiegelt: Das seit Jahren problematische Gebäude soll nun doch abgerissen werden. Der Rat der Stadt Brakel hat sich dafür ausgesprochen, die notwendigen Arbeiten für den Haushalt 2027 vorzubereiten. Damit endet vorerst eine wechselvolle Geschichte um das ehemalige Molkereigelände. Eigentlich sollte das Kapitel schon früher beendet sein. Die Stadt Brakel hatte das Grundstück mit dem nicht mehr erhaltenswerten Gebäudebestand erworben, um eine neue Nutzung zu ermöglichen und das Ortsbild aufzuwerten. Ende 2024 wurde ein Unternehmen mit dem Abriss beauftragt. Die Arbeiten kamen jedoch nicht zustande.
Im Frühjahr 2026 beendete der Stadtrat das Vertragsverhältnis mit dem Abrissunternehmen. Als Gründe nannte die Stadt vergaberechtliche Fragen und unterschiedliche Auffassungen über die Durchführung des Rückbaus. Anschließend wurde das Areal überraschend zum Verkauf angeboten.
Zwei Interessenten – aber kein überzeugendes Konzept
Damit schien plötzlich eine Alternative zum kompletten Abriss möglich. Die Stadt suchte ausdrücklich nach Investoren, die das Areal entwickeln und einer neuen Nutzung zuführen sollten. Gefordert war nicht allein ein attraktiver Kaufpreis, sondern ein nachvollziehbares Nutzungskonzept. Das Verkaufsangebot ließ grundsätzlich Spielraum: Neben landwirtschaftsnahen Betrieben und nicht störendem Gewerbe waren auch Wohnen oder Mischnutzungen denkbar. Nach Angaben der aktuellen Berichterstattung meldeten sich schließlich zwei Unternehmer mit eigenen Nutzungsideen. Den Brakeler Rat konnten die Vorschläge jedoch nicht überzeugen.

Produktionshalle mit Potenzial bleibt ungenutzt
Besonders bemerkenswert: Noch im Sommer hatte die Stadt selbst darauf hingewiesen, dass einzelne Gebäudeteile möglicherweise erhalten und saniert werden könnten. Als besonders interessant wurde die ehemalige Produktionshalle bezeichnet. Gleichzeitig wurde wegen des baulichen Zustands einzelner Bereiche vor Einsturzgefahr gewarnt. Nun dürfte diese Perspektive vom Tisch sein. Mit dem neuerlichen Abrissbeschluss rückt eine Entwicklung zur Freifläche näher.
Vom Industriezeugnis zur Abrissfläche
Die Geschichte der Alten Molkerei steht damit beispielhaft für den Umgang mit aufgegebenen Gewerbestandorten im ländlichen Raum. Was einst ein prägender Bestandteil des Ortes war, ist heute vor allem ein bauliches Problem. Die Suche nach einer wirtschaftlich tragfähigen Nachnutzung ist gescheitert – und damit dürfte auch die letzte Chance auf einen Erhalt größerer Teile des Bestands vertan sein. Für Gehrden bedeutet der Beschluss einen tiefen Einschnitt im Ortsbild. Wann die Bagger tatsächlich anrücken, ist noch offen. Die Stadt soll nun die Ausschreibung der Abrissarbeiten vorbereiten und die erforderlichen Mittel für den Haushalt 2027 berücksichtigen.
