Hannover. Ein Gebäude, das während der Expo 2000 zu den architektonischen Aushängeschildern der Weltausstellung in Hannover gehörte, steht vor einer ungewissen Zukunft. Die Landeshauptstadt bietet den Deutschen Pavillon auf dem ehemaligen Expo-Gelände erneut zum Verkauf an. Sollte sich kein tragfähiges Nutzungskonzept finden, kommt inzwischen auch ein Abriss infrage. Für das rund 1,5 Hektar große Grundstück mit dem etwa 17.000 Quadratmeter umfassenden Gebäude setzt die Stadt einen Mindestkaufpreis von 7,7 Millionen Euro an. Das geht aus der aktuellen Vermarktung hervor, über die die Immobilien Zeitung am 6. November 2026 berichtete.
Ein architektonisches Wahrzeichen mit schwieriger Vergangenheit
Der Deutsche Pavillon wurde für die Expo 2000 errichtet und war während der Weltausstellung ein zentraler Veranstaltungs- und Präsentationsort. Die Architektur des Gebäudes wird vor allem durch seine großflächige, konkav geschwungene Glasfassade geprägt. Im Inneren befinden sich unter anderem eine rund 6.200 Quadratmeter große Haupthalle, die sogenannte Blackbox, der August-Everding-Saal sowie Büro- und ehemalige Gastronomieflächen. Das Gebäude zählt zu den markanten baulichen Erinnerungen an die erste Weltausstellung auf deutschem Boden.
Doch die eindrucksvolle Architektur erwies sich im späteren Betrieb als erhebliche Herausforderung. Insbesondere die großflächige Glasfassade verursacht hohe Wärmeverluste im Winter und starke Aufheizung im Sommer. Hinzu kommen technische Defizite bei der Gebäudeausrüstung und hohe Anforderungen an den Brandschutz. Bereits frühere Nachnutzungskonzepte scheiterten auch an den erheblichen Investitionen, die für einen wirtschaftlich tragfähigen Betrieb erforderlich gewesen wären.
Gescheiterte Nachnutzung und erneuter Verkaufsversuch
Die Stadt Hannover hatte den Deutschen Pavillon 2015 erworben, um ihn zunächst für die Unterbringung von Geflüchteten zu nutzen. Diese Verwendung endete 2017. Ein späteres Interessenbekundungsverfahren führte zur Auswahl der Hamburger Bene-Stiftung, die das Gebäude für Kunst- und Kulturveranstaltungen sowie Ausstellungen nutzen wollte. Der Kaufvertrag wurde im Januar 2024 unterzeichnet. Die geplante Übergabe verzögerte sich jedoch. Die technischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Gebäudes blieben bestehen und stellten die ursprünglichen Planungen infrage.
Nun startet die Stadt einen neuen Anlauf. Bis zum 31. Dezember 2026 können Interessenten Nutzungskonzepte und Kaufpreisangebote einreichen. Die Kommune sucht ausdrücklich nach Ideen, die eine wirtschaftlich tragfähige Zukunft des Gebäudes ermöglichen. Dabei ist die Stadt grundsätzlich am Erhalt des Pavillons interessiert. Sie schließt allerdings nicht mehr aus, dass ein Käufer das Gebäude abbricht und auf dem Grundstück einen Neubau realisiert. Auch eine teilweise Nutzung oder Entwicklung des Areals ist denkbar.
Zwischen Erhalt und Abriss: Was bleibt von der Expo 2000?
Der mögliche Abriss wäre ein bemerkenswerter Einschnitt für das ehemalige Weltausstellungsgelände. Der Deutsche Pavillon steht beispielhaft für die Architektur und den Gestaltungsanspruch der Expo 2000. Dass ein derart prominentes Bauwerk bereits gut ein Vierteljahrhundert nach seiner Errichtung zur Disposition steht, wirft grundsätzliche Fragen über den Umgang mit dem baulichen Erbe großer Ausstellungen auf.
Dabei zeigt sich ein bekanntes Problem vieler Expo-Bauten: Sie werden für eine zeitlich begrenzte Veranstaltung mit hohem gestalterischem und technischem Aufwand errichtet, doch eine langfristig funktionierende Nachnutzung ist nicht immer von Anfang an gesichert. Beim Deutschen Pavillon treffen architektonischer Anspruch, hohe Betriebskosten und technische Anforderungen aufeinander. Ob sich dafür noch eine überzeugende Lösung finden lässt, wird sich im weiteren Vermarktungsverfahren zeigen. Bis zum Jahresende bleibt Zeit, ein Konzept vorzulegen. Danach wird die Stadt entscheiden müssen, welchen Weg sie für das prominente Gebäude einschlägt.
