Abriss der historischen Malzfabrik Wismaria geplant

Foto: Niteshift/CC BY-SA 3.0
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Wismar. Das Feuer ist gelöscht, doch für die denkmalgeschützte Malzfabrik Wismaria könnte die Katastrophe das endgültige Aus bedeuten. Nach dem Großbrand vom Sonntag, 18. Oktober 2026, sind das Dach und sämtliche Zwischendecken zerstört. Teile des Gebäudes stürzten bereits während der Löscharbeiten ein. Weil die Fassade einzustürzen droht, soll die historische Fabrikruine schnellstmöglich abgerissen werden. Damit steht eines der bekannten Industriedenkmäler und Lost Places der Hansestadt vor einem möglichen unwiederbringlichen Verlust.

Feuer zerstört die historische Bausubstanz

Kurz vor 16 Uhr am Sonntagnachmittag wurden die Einsatzkräfte alarmiert. Das Feuer breitete sich im obersten Stockwerk des leer stehenden Backsteingebäudes rasch aus. Eine weithin sichtbare Rauchwolke zog über Wismar, während Flammen aus dem Gebäude schlugen. Zeitweise waren rund 150 Feuerwehrleute im Einsatz. Neben der Berufsfeuerwehr beteiligten sich neun Freiwillige Feuerwehren aus Wismar und dem Umland an den Löscharbeiten. Auch das Technische Hilfswerk unterstützte den Einsatz. Erst im Laufe der Nacht gelang es, den Brand vollständig zu löschen.

Das Ausmaß der Zerstörung ist erheblich. Nach Angaben der Feuerwehr wurden nicht nur das Dach, sondern sämtliche Zwischendecken vernichtet. Bereits während des Einsatzes brachen Teile der Konstruktion zusammen. Die verbliebene Bausubstanz gilt als akut gefährdet.

Stadt bereitet geordneten Abriss vor

Nach dem Brand steht die Hansestadt vor einer schwierigen Entscheidung. Die historische Fabrik steht unter Denkmalschutz, doch die schwere Beschädigung gefährdet die Standsicherheit des Gebäudes. Nach Angaben des NDR soll deshalb ein Abbruchunternehmen kontaktiert werden, um einen geordneten Rückbau zu organisieren. Bürgermeister Frank Junge kündigte an, den Abriss möglichst zügig und mit möglichst geringen Belastungen für die Anwohner organisieren zu wollen. Eine längere Hängepartie wäre auch aus verkehrlicher Sicht problematisch: Direkt am Gebäude verlaufen eine wichtige Straße und die Bahnstrecke der Hansestadt.

Der geplante Rückbau wäre ein schwerer Einschnitt für den historischen Gebäudebestand Wismars. Ob einzelne Bauteile oder historische Elemente vor dem Abbruch gesichert werden können, ist bislang nicht bekannt.

Brandstiftung als mögliche Ursache

Die Ursache des Feuers ist weiterhin ungeklärt. Die Polizei vermutet Brandstiftung und hat entsprechende Ermittlungen aufgenommen. Eine vorsätzliche Brandlegung ist damit bislang nicht bewiesen. Bei dem Brand wurde nach bisherigen Erkenntnissen niemand verletzt. Wegen der starken Rauchentwicklung hatte die Stadt die Bevölkerung vorsorglich aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Nach Angaben der Feuer- und Rettungsleitstelle bestand jedoch keine akute Gesundheitsgefahr.

Ein Lost Place mit langer Industriegeschichte

Die Wismaria wurde Ende des 19. Jahrhunderts errichtet und blickt auf eine rund 130-jährige Geschichte zurück. In der DDR wurde der Standort als Getränkefabrik genutzt. Nach dem Ende der Nutzung verfiel das Gebäude und entwickelte sich zu einem bekannten Lost Place. Der imposante Backsteinbau dokumentierte ein Stück Wismarer Industriegeschichte. Über Jahrzehnte blieb die Fabrik als Relikt einer vergangenen Produktionsära erhalten, auch wenn die ungenutzte Bausubstanz zunehmend verfiel. Die denkmalgeschützte Anlage stand damit beispielhaft für die schwierige Frage, wie historische Industriegebäude ohne tragfähige Nutzung dauerhaft bewahrt werden können.

Denkmalpflege vor vollendeten Tatsachen

Der drohende Abriss verdeutlicht, wie schnell ein Industriedenkmal verloren gehen kann, wenn Vernachlässigung und ein schwerer Schadensfall zusammentreffen. Nach einem Brand dieser Größenordnung steht die Gefahrenabwehr an erster Stelle. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob eine Sicherung zumindest einzelner historischer Bestandteile möglich ist. Für die Wismaria kommt diese Debatte unter erheblichem Zeitdruck. Die Einsturzgefahr und die Bedeutung der angrenzenden Verkehrswege lassen wenig Spielraum für langwierige Entscheidungen. Dennoch bleibt der Verlust historischer Bausubstanz ein Einschnitt, der über das einzelne Gebäude hinausreicht.

Ob der Abriss vollständig erfolgen muss oder Teile des Baudenkmals gerettet werden können, ist derzeit offen. Klar ist: Der Großbrand hat die Zukunft der Wismaria dramatisch verändert. Aus einem verfallenen, aber noch vorhandenen Zeugnis der Industriegeschichte ist eine schwer beschädigte Ruine geworden, deren Erhalt nun akut infrage steht.

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