Schliersee. Die ehemalige Seniorenresidenz an der Straße Unterleiten in Schliersee steht vor einem grundlegenden Wandel. Statt das seit Jahren leer stehende Gebäude zu sanieren und umzubauen, soll der Komplex abgerissen und durch eine neue Wohnanlage ersetzt werden. Das Konzept wurde Mitte Oktober 2026 im Schlierseer Gemeinderat vorgestellt. Geplant sind Service-Wohnungen für ältere Menschen, eine Tagespflege und Wohnungen für Beschäftigte.
Ursprünglich war vorgesehen, den bestehenden Gebäudekomplex für betreutes Wohnen und Tagespflege umzubauen. Nach Einschätzung von Robert Beck, Geschäftsführer von Aurica Service Living, ist eine Sanierung jedoch weder wirtschaftlich noch energetisch sinnvoll. Auch die spätere Wohnqualität spreche für einen Neubau. Das Unternehmen betreibt bereits vergleichbare Wohnangebote in Inzell und Bad Bramstedt. Für Schliersee wird derzeit eine Wohnfläche von rund 8.300 Quadratmetern ins Auge gefasst.
Den größten Teil der neuen Anlage sollen barrierefreie Mietwohnungen für Menschen ab 60 Jahren einnehmen. Das Angebot richtet sich an Senioren, die möglichst lange selbstständig leben möchten, aber Unterstützung im Alltag schätzen. Ein Servicestützpunkt soll werktags als Anlaufstelle dienen. Pflegeleistungen wird Aurica nach den vorgestellten Plänen nicht selbst übernehmen; bei Bedarf sollen ambulante Pflegedienste aus der Region einspringen.
Ergänzend sind Gemeinschaftsbereiche wie eine Cafeteria und Räume für gemeinsame Aktivitäten vorgesehen. Eine Tagespflege soll durch einen externen Anbieter organisiert werden. Zusätzlich sind Mitarbeiterwohnungen geplant, die beispielsweise Beschäftigten örtlicher Unternehmen zur Verfügung stehen könnten. Konkrete Mietpreise und die endgültige Gestaltung der Gebäude stehen noch nicht fest.
Die Vorstellung im Gemeinderat diente zunächst dazu, die grundsätzliche Zustimmung zum Konzept auszuloten. Eine abschließende Bauentscheidung ist damit noch nicht verbunden. Aus dem Gremium kamen sowohl positive Rückmeldungen als auch Fragen zur Größe des Vorhabens, zu den künftigen Mietkosten und zum Bedarf an stationärer Pflege. Als nächster Schritt soll die Planung weiter konkretisiert werden. Auch ein Besuch eines vergleichbaren Projekts in Inzell wurde angeregt.
Die frühere Seniorenresidenz war im Herbst 2021 geschlossen worden. Der Standort geriet zuvor wegen schwerwiegender Missstände und Ermittlungen im Zusammenhang mit Todesfällen und mutmaßlichen Körperverletzungen in die Schlagzeilen. Seitdem blieb der Gebäudekomplex ungenutzt. Mit dem jetzt vorgestellten Neubaukonzept soll das Areal eine neue Funktion erhalten – nicht als klassisches Pflegeheim, sondern als Wohnangebot mit Service und ergänzender Tagespflege.
Der geplante Abriss markiert damit nicht nur das Ende eines langjährigen Leerstands, sondern auch einen grundlegenden Wechsel der Nutzung. Ob und wann das Vorhaben umgesetzt wird, hängt von der weiteren Planung und den erforderlichen Genehmigungen ab.
