Abbruch der ehemaligen DAKO in Plauen

Foto: Stadt Plauen
Foto: Stadt Plauen

Plauen. Mit dem Abriss des Hauptgebäudes der ehemaligen DAKO an der Ricarda-Huch-Straße beginnt in Plauen ein weiterer, sensibler Einschnitt in die Stadtgeschichte. Nachdem bereits 2016 erste Nebengebäude auf dem Gelände beseitigt worden waren, setzt der Eigentümer die Abbrucharbeiten nun fort. Das markante Fabrikgebäude, das seit Jahren leer steht und zunehmend verfiel, soll noch im Januar vollständig verschwinden. Eine konkrete Nachnutzung des privaten Grundstücks ist der Stadt bislang nicht bekannt.

Für die Dauer der Arbeiten wird die Ricarda-Huch-Straße im Bereich der Hausnummer 1 vom 19. bis 30. Januar komplett gesperrt. Die ausführende Firma stimmt sich nach Angaben der Stadt direkt mit den angrenzenden Gewerbetreibenden ab, um die Einschränkungen so gering wie möglich zu halten.

Der Ort ist jedoch weit mehr als eine gewöhnliche Industriebrache. Das dreistöckige Gebäude wurde 1910 als Deutsche Glühlampenfabrik AG errichtet. Während des Ersten Weltkriegs wandelte die AEG Berlin die Fabrik 1917 in eine Kartuschieranstalt um, in der überwiegend Frauen Munition herstellten. Am 19. Juli 1918 kam es dort zu einer der schlimmsten Katastrophen der deutschen Rüstungsindustrie: Vermutlich durch die Selbstentzündung von Schwarzpulver brach ein Feuer aus, bei dem 301 Menschen ums Leben kamen. Unter den Opfern waren 296 meist junge Frauen, viele weitere wurden schwer verletzt. Das Durchschnittsalter der aus Plauen stammenden Todesopfer lag bei nur 23 Jahren.

Trotz dieser historischen Bedeutung wurde der Industriekomplex vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen nicht als Kulturdenkmal eingestuft. Bereits 2014 hatte die Stadt Plauen dem Abriss zugestimmt, auch aus eigentumsrechtlichen Gründen und weil mehrere Gedenkstätten an das Unglück erinnern. Die wichtigste befindet sich auf dem Plauener Hauptfriedhof: Dort werden seit 1920 die Gräber von 223 Opfern gepflegt, die Stadt hat die dauerhafte Unterhaltung der Gedenkstätte übernommen.

Mit dem Abriss verschwindet nun eines der letzten baulichen Zeugnisse der Katastrophe von 1918 aus dem Stadtbild. Die Erinnerung an das Unglück soll jedoch bleiben – nicht mehr in Form der verfallenen Fabrik, sondern an den Orten des stillen Gedenkens.

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