Nur wenige hundert Meter trennen das alte Schiffshebewerk Henrichenburg von seinem moderneren Nachfolger aus den 1960er Jahren – zwei technische Monumente, die den Dortmund-Ems-Kanal über eine wichtige Kanalstufe in Waltrop-Oberwiese führten. Während das neue Hebewerk seit 2005 den Schiffsverkehr allein abwickelt, ist das 1899 errichtete alte Hebewerk heute ein herausragendes Industriedenkmal und Museum, das Besucher in die Ära der Industrialisierung und der revolutionären Wasserbautechnik entführt.





Das alte Hebewerk war eine bahnbrechende Innovation seiner Zeit: Es hob Schiffe auf dem Kanal auf eine Höhe von 14 Metern – damals ein Quantensprung in der Schifffahrtstechnik. Die Konstruktion basiert auf dem Prinzip des Auftriebs von fünf riesigen, luftgefüllten Schwimmern, die den 3.100 Tonnen schweren, wassergefüllten Trog fast schwerelos machten. Ein vergleichsweise kleiner Elektromotor mit nur 110 kW reichte aus, um das Bauwerk zu bewegen – und das schneller und sparsamer als herkömmliche Schleusen.
Die technische Finesse und die filigrane Eisenfachwerkkonstruktion, entworfen von dem Stettiner Schiffbauingenieur Rudolph Haack, machten das Hebewerk zum Herzstück des Kanals. Kaiser Wilhelm II. persönlich eröffnete das Werk 1899, das fortan den Weg für den Handel und die Industrialisierung in der Region ebnete. Bis 1969 war das alte Hebewerk in Betrieb, ehe es vom jüngeren Schwimmer-Hebewerk abgelöst wurde.

Nach seiner Stilllegung verfiel das Bauwerk zunächst, ein Abriss schien möglich – doch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) bewahrte das historische Denkmal. 1979 begann die Umwandlung in ein Museum, das heute als Teil des LWL-Industriemuseums fungiert. Besucher können die imposante Technik und Architektur besichtigen, darunter begehbare Schwimmerschächte, steinerne Türme sowie das Maschinenhaus mit originalen Modellen und Ausrüstungen.




Ein besonderes Highlight ist die europaweit einzigartige Sammlung historischer Schiffe entlang eines 400 Meter langen Kanalabschnitts – darunter der Dampfschlepper „Fortuna“ und das letzte erhaltene Dampftankschiff „Phenol“. Dazu kommen schwimmende Arbeitsgeräte, eine historische Werft mit Drehkran von 1906 und eine erhaltene Hubbrücke von 1897.

Das Schiffshebewerk Henrichenburg ist heute nicht nur technisches Denkmal, sondern auch ein lebendiger kultureller Ankerpunkt auf der Route der Industriekultur, eingebettet in ein Netz von Radwegen wie der Dortmund-Ems-Kanal-Route und dem Emscher-Weg. Für alle, die Industriegeschichte und technische Innovation hautnah erleben möchten, bietet das alte Hebewerk eine faszinierende Zeitreise – mitten im Ruhrgebiet.

Infos für Besucher
Schiffshebewerk Henrichenburg
Am Hebewerk 26, 45731 Waltrop
Koordinaten: 51°36’57.3″N 7°19’35.6″E
schiffshebewerk-henrichenburg.lwl.org/de/
