Olympisches Dorf Berlin-Elstal

Als die Nationalsozialisten 1934 mit dem Bau des Olympischen Dorfs begannen, stand mehr als nur das sportliche Großereignis im Fokus. In Elstal bei Wustermark – damals noch Teil von Dallgow-Döberitz – entstand auf rund 55 Hektar ein massiv gebauter Komplex, der nach den Olympischen Spielen bewusst militärisch weitergenutzt werden sollte. Das Planungsteam um Werner und Walter March entwarf nicht nur moderne Unterkünfte für die internationalen Athleten, sondern auch Gebäude mit strategischer Doppelfunktion.

Insgesamt umfasste das Dorf rund 140 einstöckige und fünf zweistöckige Wohnhäuser, eine Sporthalle, eine Schwimmhalle, ein Krankenhaus, eine Sauna sowie das zentrale Speisehaus „Haus der Nationen“ mit 38 getrennten Speisesälen – jeweils einer Nation gewidmet. Auch repräsentative Bauten wie das Hindenburghaus oder das Kommandantenhaus unterstrichen die politische Inszenierung der Spiele.

Vom Sportzentrum zur Kaserne

Kaum waren die Spiele beendet, zogen Infanterieschule und Lehrregiment ein. Das „Haus der Nationen“ wurde planmäßig zum Militärhospital umfunktioniert – inklusive großzügiger Terrassen, auf denen Patienten mitsamt Betten ins Freie geschoben werden konnten. Bereits beim Bau war die spätere militärische Nutzung also fest eingeplant – ein Beispiel für die propagandistische und pragmatische Doppelmoral des NS-Regimes.

Sowjetzeit und Verfall

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die sowjetische Armee das Gelände. Bis zu ihrem Abzug 1992 nutzte sie es militärisch, ließ es aber zunehmend verfallen. Besonders stark getroffen hat es die Schwimmhalle, die in den 1990er-Jahren durch ein Feuer schwer beschädigt wurde. Nur wenige Gebäude blieben halbwegs intakt – darunter die Turnhalle und einige Wohnhäuser. Die meisten Anlagen wurden in dieser Zeit zweckentfremdet oder vernachlässigt.

Im Zuge einer umstrittenen Gebietsreform in den 1990er-Jahren wurde das Areal der Gemeinde Wustermark, Ortsteil Elstal, zugeschlagen – gegen den Widerstand der ursprünglichen Gemeindevertretung in Dallgow.

Denkmal mit Zukunft

Heute steht das Olympische Dorf unter Denkmalschutz. Die DKB Stiftung für gesellschaftliches Engagement hat das Gelände übernommen und engagiert sich seit Jahren für die Erhaltung der noch vorhandenen Bauten. Ein erstes sichtbares Zeichen des Wiederaufbaus: Das rekonstruierte Wohnhaus des afroamerikanischen Sprinters Jesse Owens, der bei den Spielen 1936 mit vier Goldmedaillen Geschichte schrieb und Hitlers Rassenideologie öffentlich blamierte.

Von April bis Oktober können Besucher das Gelände täglich ab 10 Uhr besichtigen – auch im Rahmen fachkundiger Führungen, die die historische, architektonische und politische Bedeutung des Ortes beleuchten. Zwischen verfallenen Ziegelwänden, moosbewachsenen Wegen und renovierten Häusern begegnet man einem Stück Weltgeschichte – irgendwo zwischen Glanz und Grauen.

Infos für Besucher

Olympisches Dorf Berlin-Elstal
Zum Olympischen Dorf, 14624 Wustermark
Koordinaten: 52°32’07.3″N 13°00’25.0″E

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