Brikettfabrik Louise

Die Brikettfabrik „Louise“ im südbrandenburgischen Domsdorf (Stadt Uebigau-Wahrenbrück) ist ein einzigartiges Zeugnis deutscher Industriegeschichte. Als älteste erhaltene Brikettfabrik Deutschlands und gleichzeitig kleinste ihrer Art wurde sie 1882 in Betrieb genommen – und blieb es beeindruckende 110 Jahre lang. Heute ist das Werk nicht nur technisches Denkmal, sondern auch lebendiges Museum mit einem außergewöhnlichen Charme vergangener Industriekultur.

Von Handarbeit zur Industrieleistung

Was mit zwei Brikettpressen begann, entwickelte sich rasch zu einem bedeutenden Standort der Kohleveredelung. Bereits 1883 wurden mehr als 150.000 Hektoliter Rohbraunkohle zu Briketts verarbeitet. Mit wachsender Nachfrage wuchs auch die Produktionskapazität. Später liefen sieben Pressen und zwei Röhrentrockner parallel, unterstützt durch eine eigene Stromversorgung – ab 1896 mit der ersten Lichtmaschine.

Mit dem Bau der Kraftwerkshalle ab 1908 wurde die Anlage technisch weiter modernisiert. In den 1930er-Jahren erreichte die Tagesproduktion 360 Tonnen Briketts. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm kurzzeitig die Rote Armee das Werk, bevor es unter DDR-Führung weitergeführt wurde. In Spitzenzeiten wurden bis zu 584 Tonnen Briketts täglich produziert – ein Meilenstein der Braunkohleverarbeitung mit historischem Gewicht.

Ende der Produktion, Beginn der Denkmalpflege

Am 18. November 1991 verließ das letzte Brikett die Pressen. Wenige Monate später, am 6. Februar 1992, endete die Produktion endgültig – nach über einem Jahrhundert im Dauerbetrieb. Doch anstatt zu verfallen, wurde „Louise“ zum Erinnerungsort: Bereits 1992 nahm das Land Brandenburg die Anlage in die Denkmalliste auf. Zwei Jahre darauf gründete sich der Verein „Freundeskreis Technisches Denkmal Brikettfabrik Louise e. V.“, der sich seitdem mit großem Engagement um Erhalt und Wiederbelebung der Maschinen kümmert.

Europäisches Kulturerbe zum Anfassen

Die Fabrik erhielt 2002 den renommierten Europa-Nostra-Preis – eine Auszeichnung für vorbildliche Erhaltung industrieller Kulturgüter. Besucher können heute bei regelmäßigen Führungen bis zu 14 original erhaltene Maschinen in Aktion erleben. Besonders beliebt ist der jährlich stattfindende „Dampftag“ am ersten Sonntag im Juli. Dann werden zwei historische Brikettpressen unter echtem Dampfbetrieb vorgeführt – ein eindrucksvolles Spektakel für Technikfans und Familien gleichermaßen.

Ein lebendiges Museum mit Industriecharakter

Ehemalige Werksangehörige und fachkundiges Personal begleiten Gäste auf eine faszinierende Reise in die Zeit der Dampfmaschinen, Kohleschlote und schweren Arbeit. Die Brikettfabrik „Louise“ ist damit weit mehr als ein Industriedenkmal – sie ist ein Ort gelebter Geschichte, der zeigt, wie wichtig der Erhalt technischer Kultur für das kollektive Gedächtnis einer Region ist.

Infos für Besucher

Technisches Denkmal Brikettfabrik Louise
Louise 111, 04924 Uebigau-Wahrenbrueck OT Domsdorf
Koordinaten: 51°34’58.8″N 13°24’54.5″E
www.brikettfabrik-louise.de

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