Am Mittelkanal bei Merseburg erinnert ein unvollendeter Schleusenrohbau an ein Wasserbauprojekt, das nie die vorgesehene Bedeutung erlangte. Die baulichen Überreste vermitteln heute einen ungewöhnlichen Eindruck davon, wie umfangreiche Infrastrukturvorhaben durch politische und wirtschaftliche Veränderungen ins Stocken geraten können. Der Schleusenrohbau entstand als Teil der geplanten wasserbaulichen Infrastruktur. Schleusen sollten dabei Höhenunterschiede überwinden und eine schiffbare Verbindung zwischen verschiedenen Kanalabschnitten ermöglichen.





Großes Wasserstraßenprojekt
Die Planungen für die Schleuse begannen 1935, gebaut wurde zwischen 1939 und 1943. Der Mittelkanal sollte Merseburg auf einer Länge von rund 3,3 Kilometern umgehen und die Schifffahrt auf der Saale verbessern. Vorgesehen war eine Wasserstraße für Schiffe bis zu 1.000 Tonnen Tragfähigkeit. Die Schleuse Werder sollte dabei die Rischmühlenschleuse und die Schleuse Merseburg-Meuschau ersetzen. Geplant waren eine nutzbare Schleusenlänge von rund 103 Metern, eine Breite von 20 Metern und eine Fallhöhe von 4,20 Metern.

1943 kam das Aus
Der Schleusenrohbau wurde bis 1943 weitgehend fertiggestellt. Die massiven Betonwände, Poller und Schleusenleitern sind bis heute erhalten. Die vorgesehenen Hubtore und Portale wurden dagegen nie eingebaut. Noch im selben Jahr wurden die Bauarbeiten eingestellt. Damit blieb die Schleuse das, was sie bis heute ist: ein gewaltiges Bauwerk für eine Wasserstraße, die niemals fertig wurde.

Ein Lost Place der besonderen Art
Die Schleuse Werder ist kein klassischer verlassener Gebäudekomplex. Sie ist vielmehr ein unvollendetes Verkehrsbauwerk, das die Dimensionen der damaligen Wasserbaupläne sichtbar macht. Beton statt Schiffe, Schleusenkammer statt Wasserstraße: Die Werderschleuse ist heute ein eindrucksvolles Zeugnis eines gescheiterten Großprojekts.
