Mitten im historischen Kurort Bad Liebenstein steht das ehemalige Hotel „Herzogin Charlotte“, das später als Augenheilanstalt, Lazarett und Kurheim genutzt wurde. Die Geschichte des Gebäudes reicht bis 1852 zurück. Damals ließ August Ernst Meffert im Auftrag der Witwe des damaligen Kurhauspächters Müller ein Hotel an der Hauptpromenade errichten. Das Haus galt schon damals als eines der schönsten Gebäude des Ortes. 1888 übernahm der Hotelier Franz Schmidt das Gebäude und gab ihm den Namen „Herzogin Charlotte“. 1913 wechselte die Immobilie erneut den Besitzer. Die Grafen Wiser richteten darin ab 1915 eine Augenheilanstalt und ein Lazarett ein. Unter der Bezeichnung „Augenheilanstalt Charlotte“ begann damit ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Hauses.

Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte das Gebäude zunächst wieder zur ursprünglichen Nutzung zurück. Ab 1919 wurde es erneut als Hotel betrieben. Während des Zweiten Weltkriegs diente das Haus wiederum als Lazarett.
Sanatorium mit langer medizinischer Tradition
Bad Liebenstein entwickelte sich bereits früh zu einem bedeutenden Kur- und Heilbad. Auch das Sanatorium Liebenstein erlangte überregionalen Ruf. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahmen die Ärzte Max Seige und Felix Eichler eine Heilstätte und bauten sie zu einer renommierten medizinischen Einrichtung aus. Patienten wurden unter anderem aus der Jenaer Psychiatrie zur Kur nach Bad Liebenstein geschickt. Die medizinische Nutzung prägte den Ort über Jahrzehnte. Auch in der DDR gehörte Bad Liebenstein zu den etablierten Kur- und Rehabilitationsstandorten.





Leerstand lässt das Gebäude verfallen
Nach dem Ende der Nutzung setzte beim ehemaligen Kurheim der Verfall ein. Das Gebäude wurde zunehmend dem Leerstand überlassen und entwickelte sich zu einem markanten Lost Place im historischen Kurort. Heute erinnert der Bau an die wechselvolle Geschichte Bad Liebensteins als Hotel-, Lazarett- und Klinikstandort. Das ehemalige Kurheim Charlotte ist inzwischen als historische Sehenswürdigkeit verzeichnet.

Ein Relikt der Bad Liebensteiner Kurgeschichte
Das Gebäude steht exemplarisch für den Wandel zahlreicher historischer Kurhäuser: Was einst als mondänes Hotel für Kurgäste und Sommerfrischler errichtet wurde, wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach medizinisch genutzt und schließlich zum verlassenen Gebäude.
Damit gehört das ehemalige Hotel Sanatorium zu den bemerkenswerten historischen Relikten von Bad Liebenstein – und verbindet auf engem Raum die Geschichte des Kurwesens, der Medizin und des Tourismus im Thüringer Wald.
