Sanatorium Waldhaus

Das ehemalige Sanatorium „Waldhaus“ in Sülzhayn zählt zu den traditionsreichsten Gebäuden des einst bedeutenden Kurortes im Landkreis Nordhausen. Seine Geschichte reicht bis an das Ende des 19. Jahrhunderts zurück und spiegelt die Entwicklung des Ortes als Gesundheits- und Erholungsstandort wider. Zwischen 1898 und 1899 entstand das Gebäude ursprünglich als Erholungshaus und nahm noch im Jahr seiner Fertigstellung den Betrieb auf. Bereits wenige Jahre später machte die steigende Nachfrage umfangreiche Erweiterungen erforderlich. In den Jahren 1902 bis 1903, 1906 bis 1907 sowie erneut 1914 wurde das Sanatorium schrittweise ausgebaut und modernisiert.

Die Investitionen machten sich bemerkbar: Während die Einrichtung im Jahr 1903 noch über 32 Betten verfügte, stieg die Kapazität bis 1908 auf 65 Betten an. Anfang der 1930er Jahre konnten bereits 90 Patienten gleichzeitig aufgenommen werden. Das Waldhaus entwickelte sich damit zu einer der wichtigsten medizinischen Einrichtungen des Kurortes.

Mehrere Besitzerwechsel und neue Aufgaben für das Gebäude

Mit dem Eigentümerwechsel im Jahr 1921 begann für das Haus eine neue Epoche. Bereits ein Jahr später erhielt die Einrichtung den Namen „Kinderheilstätte Holstein“ und spezialisierte sich auf die Behandlung und Erholung junger Patienten. Diese Bezeichnung blieb allerdings nur wenige Jahre bestehen. Bereits 1925 übernahm die Hansestadt Hamburg die Einrichtung und führte sie fortan unter dem Namen „Hamburgische Kinderheilstätte“. Über zwei Jahrzehnte hinweg wurden hier Kinder aus Hamburg medizinisch betreut und zur Erholung untergebracht.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs änderten sich die Besitzverhältnisse erneut grundlegend. Im Jahr 1945 wurde die Heilstätte verstaatlicht und in Krankenhaus „Lebenswende“ umbenannt. Unter diesem Namen blieb das Gebäude bis zu seiner endgültigen Schließung in Betrieb.

Sülzhayn plant Neuanfang und setzt auf Dorferneuerung

Heute steht das ehemalige Sanatorium leer und gehört zu den markanten, aber zunehmend problematischen Großimmobilien des Ortes. Im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms möchte Sülzhayn nun einen umfassenden Strukturwandel einleiten und den historischen Kurort zukunftsfähig aufstellen. Geplant ist die Entwicklung eines modernen Dorfzentrums rund um das „Haus des Gastes“. Dabei sollen nicht nur öffentliche Einrichtungen, sondern auch örtliche Vereine aktiv eingebunden werden. Ziel ist es, neue Treffpunkte zu schaffen und die Lebensqualität im Ort nachhaltig zu verbessern.

Abriss des Waldhauses rückt näher

Ein zentraler Bestandteil der vorgestellten Konzepte ist allerdings der Abriss des ehemaligen Sanatoriums „Waldhaus“. Stadtplanerin Anne Dumjahn präsentierte dem Dorferneuerungsbeirat insgesamt drei Entwicklungsvarianten – alle sehen den Rückbau des historischen Gebäudes vor. Neben dem Waldhaus soll auch die gegenüberliegende ehemalige Reithalle verschwinden. Die frei werdenden Flächen könnten anschließend als neues Bauland genutzt werden und dringend benötigte Entwicklungsmöglichkeiten für den Ort schaffen. Damit könnte eines der letzten großen Zeugnisse der Sülzhayner Sanatoriengeschichte endgültig verschwinden.

Eigentümer bekannt – Hoffnung auf Einigung

Trotz der ambitionierten Pläne gilt der Ankauf der betroffenen Immobilien als entscheidender Schritt. Der ehemalige Ortsbürgermeister Dieter Stanislowsky bewertet die Chancen dafür jedoch positiv. Nach seinen Angaben seien die Eigentümer sowohl des Waldhauses als auch der ehemaligen Reithalle bekannt. Mit Verhandlungsgeschick und einer tragfähigen Perspektive sei ein Verkauf durchaus realistisch. Die Chancen auf eine Umsetzung der Pläne schätzt er daher keineswegs als aussichtslos ein.

Fördermittel sollen die Zukunft des Kurortes sichern

Bis zum Abschluss des Entwicklungskonzeptes will sich Sülzhayn um die Anerkennung als Förderschwerpunkt bewerben. Sollte die Bewerbung erfolgreich verlaufen, könnten Fördermittel beantragt werden, um die geplanten Projekte tatsächlich umzusetzen. Für den traditionsreichen Sanatorien-Ort steht damit eine richtungsweisende Entscheidung bevor: Entweder gelingt der Wandel zu einem modernen Dorfzentrum oder weitere historische Gebäude werden dem jahrelangen Leerstand und Verfall überlassen.

Fest steht bereits heute: Die Zukunft des ehemaligen Waldhauses wird zugleich ein Symbol für die Zukunft des gesamten Ortes Sülzhayn sein.

Hinweis

Aufgrund der Anzahl der Gebäude und deren positive und/oder negative Veränderungen der Bausubstanz im Laufe der Zeit, stellen einzelne Abbildungen (häufig) nicht den derzeitigen Zustand dar. Die Reihenfolge der Bilder ist keine Zeitreihenfolge.

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