Versteckt in einem Waldgebiet bei Niederkrüchten-Laar liegt das ehemalige Falzziegelwerk Brimges. Was heute wie eine überwucherte Industrieruine wirkt, war einst ein bedeutender Produktionsstandort der regionalen Ziegelindustrie. Das Werk wurde 1899 als Dampffalzziegelfabrik zu Laar gegründet und entwickelte sich zeitweise zum größten Privatunternehmen der Region.

Brimges spezialisierte sich auf Falzziegel und entwickelte eigene Produkte. Zu den bekanntesten Erzeugnissen gehörten patentierte Mulden-Doppelfalzziegel sowie Hohl- und Ideal-Hohl-Dreifalzziegel. Nach dem Ersten Weltkrieg firmierte das Unternehmen als Falzziegelwerk Brimges & Co. und konnte sich trotz eines zunehmend umkämpften Marktes über Jahrzehnte behaupten. Historische Firmenunterlagen und Prospekte dokumentieren die lange Produktionsgeschichte des Unternehmens.







Ein Brand verändert das Werk
Ein Brand in den 1980er-Jahren markierte einen tiefen Einschnitt. Das Werk wurde anschließend nicht mehr in seiner ursprünglichen Größe aufgebaut, sondern verkleinert wiederhergestellt. Wenige Jahre später war die Geschichte des Unternehmens endgültig vorbei: 1995 beziehungsweise nach anderen Quellen 1996 musste der Betrieb Insolvenz anmelden. Die Produktion wurde eingestellt. Zurück blieb ein weitläufiges Fabrikgelände mit Ofenhaus, Ofenhalle und weiteren Produktionsgebäuden. Auch ein inzwischen stark verfallenes ehemaliges Unternehmerwohnhaus gehört zum Ensemble. Besonders prägend ist das Ofenhaus mit seinem markanten treppenförmigen Giebel.

Filmkulisse statt Ziegelproduktion
Eine zweite Karriere erlebte das Gelände als Filmkulisse. Teile der Neuverfilmung von „Vorstadtkrokodile“ wurden am ehemaligen Falzziegelwerk gedreht. Die industrielle Ruine wurde damit selbst zum Schauplatz einer neuen Geschichte – die im Film dargestellte Sprengung des Ofenhauses war allerdings nur inszeniert. Seit der Aufgabe des Betriebs hat sich die Natur einen großen Teil des Areals zurückgeholt. Ältere Dokumentationen zeigen noch weitgehend erhaltene Produktionsgebäude, während insbesondere die ehemalige Fabrikantenvilla bereits stark vom Verfall geprägt war. Auch die eigentliche Industriearchitektur ist heute zunehmend von Vegetation überwuchert.
Die Zukunft des Geländes erwies sich über Jahre als schwierig. Nach der Insolvenz fanden sich offenbar keine Investoren für eine neue Nutzung. Neben planungsrechtlichen Problemen wurden auch Altlasten als Hindernis für eine Entwicklung genannt. So blieb die ehemalige Ziegelei ihrem Schicksal überlassen.

Ein Denkmal der Ziegelindustrie
Das Falzziegelwerk Brimges erzählt damit weit mehr als die Geschichte einer verlassenen Fabrik. Es steht für eine Zeit, in der Ziegeleien den Niederrhein prägten und die Kombination aus Tonvorkommen, Brenntechnik und Eisenbahntransport ganze Industriestandorte entstehen ließ. In der Region reihten sich zahlreiche Ziegeleien aneinander; die nahe Kleinbahn Kaldenkirchen–Brüggen erleichterte ab 1901 den Transport von Kohle und Fertigprodukten.

Heute sind vom einstigen Großbetrieb nur noch Relikte geblieben. Gerade deshalb besitzt der Ort seinen besonderen Reiz: Wo einst Öfen brannten und Ziegel für Häuser produziert wurden, arbeitet heute vor allem die Zeit – langsam, lautlos und ohne Rücksicht auf die alte Fabrik.
