Tief im Propsteier Wald zwischen Eschweiler und Stolberg liegt das ehemalige Camp Astrid, offiziell „Quartier Reine Astrid“ beziehungsweise „Kwartier Koningin Astrid“. Die belgischen Streitkräfte errichteten den Militärstandort nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Gelände entwickelte sich zu einem wichtigen Logistik- und Versorgungsstützpunkt der belgischen Truppen in Deutschland.
Logistikzentrum mit Munitionsdepot
Camp Astrid war weit mehr als eine gewöhnliche Kaserne. Hier wurden Fahrzeuge und militärisches Gerät gewartet und repariert, außerdem erfolgte die Versorgung belgischer Einheiten mit Material und Ersatzteilen. Angeschlossen war ein umfangreiches Material- und Munitionsdepot. Zeitweise waren bis zu rund 1.200 Soldaten auf dem Gelände stationiert.





Die Anlage besaß zahlreiche Einrichtungen, die den Standort beinahe zu einer eigenen kleinen Stadt machten. Dazu gehörten unter anderem Kirche, Kino, Casino, Freibad, Sportanlagen und Einkaufsmöglichkeiten.
Ende der belgischen Militärpräsenz
Mit dem Ende des Kalten Krieges begann auch für Camp Astrid der Niedergang. Im Zuge der Umstrukturierung der belgischen Streitkräfte wurden die Einrichtungen in Deutschland schrittweise aufgegeben. Das Munitionsdepot wurde im März 1995 geräumt, im November desselben Jahres folgte die Aufgabe des Truppenlagers. Nach fast fünf Jahrzehnten endete damit die militärische Nutzung.

Vom Lost Place zum Gewerbegebiet
Nach dem Abzug verfiel ein großer Teil des Areals. Gebäude, Hallen und Überreste der militärischen Infrastruktur blieben über Jahre im Wald zurück. Teile des ehemaligen Kasernengeländes wurden später von der Stadt Stolberg übernommen und zu einem Gewerbegebiet entwickelt. 2004 wurden die verbliebenen baulichen Anlagen dieses Bereichs weitgehend abgetragen.
Andere Bereiche des früheren Militärgeländes blieben dagegen dem Wald überlassen. Dort finden sich noch heute Spuren der einstigen Nutzung. Der Propsteier Wald verbindet damit inzwischen Naturraum, Naherholungsgebiet und militärhistorisches Erinnerungsstück.





Verborgene Relikte im Wald
Camp Astrid steht exemplarisch für zahlreiche ehemalige belgische Militärstandorte in Nordrhein-Westfalen, deren Geschichte nach dem Ende des Kalten Krieges weitgehend aus dem öffentlichen Blickfeld verschwand. Was einst ein streng gesicherter Logistikstützpunkt war, ist heute in Teilen von Vegetation überwuchert.
Das Gelände ist allerdings kein frei zugänglicher Lost Place. Bereiche der ehemaligen militärischen Liegenschaft sind gesperrt beziehungsweise nur auf ausgewiesenen Wegen zugänglich. Der Förderverein Propsteier Wald weist zudem auf die besondere militärhistorische Belastung des Gebietes hin.
