Das Bahnbetriebswerk Rheine gehörte zu den bedeutendsten Lokomotivstandorten im nordwestdeutschen Raum. Mit dem Eisenbahnanschluss im Jahr 1856 entwickelte sich Rheine zu einem wichtigen Verkehrsknoten. Später entstanden getrennte Betriebswerke für den Personenbahnhof und den Rangierbahnhof, die 1964 zum Bahnbetriebswerk Rheine zusammengeführt wurden.

Die letzten Dampfriesen kamen nach Rheine
Seine historische Bedeutung erlangte das Betriebswerk vor allem in den letzten Jahren der Dampflokzeit. Ab Ende der 1960er-Jahre wurden hier zahlreiche ölgefeuerte Maschinen der Baureihen 012, 042 und 043 konzentriert. Rheine wurde damit zum letzten großen Einsatzstandort der DB-Dampflokomotiven. Vor allem die schweren Erzzüge auf der Emslandstrecke verlangten den Maschinen noch einmal alles ab.




1973 waren in Rheine nur noch ölgefeuerte Dampflokomotiven im Einsatz. Zum endgültigen Ende des Dampfbetriebs standen 1977 noch 16 Dampfloks im Betriebswerk – vier Maschinen der Baureihe 042 und zwölf der Baureihe 043. Rund 621 Beschäftigte arbeiteten damals am Standort.
1977 ging eine Ära zu Ende
Am 10. und 11. September 1977 verabschiedete die Deutsche Bundesbahn in Rheine offiziell die Dampflok. Tausende Eisenbahnfreunde aus dem In- und Ausland kamen zu Sonderfahrten und Besichtigungen. Wenige Wochen später endete der reguläre Dampfbetrieb der Bundesbahn endgültig. Damit wurde Rheine zu einem der symbolträchtigsten Orte des deutschen Eisenbahnzeitalters: Hier verabschiedete sich die Dampflokgeneration, die über ein Jahrhundert lang das Rückgrat des Schienenverkehrs gebildet hatte.

Vom Eisenbahnmonument zum Lost Place
Nach dem Ende der Dampflokzeit verlor das Betriebswerk rasch an Bedeutung. 1983 wurde die Eigenständigkeit aufgehoben, anschließend verschwanden Gleise und technische Anlagen. Große Teile des ehemaligen Geländes verfielen. Der einst imposante Ringlokschuppen im Bereich Rheine-Hauenhorst entwickelte sich zu einem echten Lost Place – mit Graffiti, Vandalismusschäden und zunehmendem Verfall.
Im Oktober 2023 rückten schließlich die Bagger an. Der Ringlokschuppen und weitere verbliebene Hochbauten wurden abgerissen. Damit verschwand auch eines der letzten sichtbaren Zeugnisse jenes Betriebswerks, das einst als letzte Dampflok-Hochburg der Deutschen Bundesbahn Geschichte schrieb.

Heute erinnert kaum noch etwas an die Dampflok-Hochburg
Das Ende des Bahnbetriebswerks Rheine zeigt exemplarisch, wie schnell sich ein einst bedeutender Eisenbahnstandort verändern kann. Vom geschäftigen Dampflokzentrum mit Drehscheibe, Lokschuppen und Versorgungseinrichtungen blieb letztlich nur wenig übrig. Die Eisenbahngeschichte Rheines ist allerdings nicht vollständig verschwunden: Seit 2007 betreibt die WestfalenBahn auf dem Gelände der Windhoff Bahn- und Anlagentechnik wieder ein modernes Bahnbetriebswerk.
