Das ehemalige Bahnbetriebswerk Roßlau (Elbe) gehört zu den historischen Eisenbahnanlagen im heutigen Dessau-Roßlau. Seine Geschichte reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück. Aus einer zunächst kleinen Lokstation entwickelte sich im Laufe der Zeit ein eigenständiges Bahnbetriebswerk mit Lokschuppen, Drehscheibe, Wasseranlagen und Werkstätten. Nach dem Ende des Dampflokbetriebs verlor der Standort zunehmend an Bedeutung. 1998 war schließlich endgültig Schluss.

Die Geschichte des Standorts beginnt 1863 mit der Aufnahme des Betriebs auf der Bahnstrecke von Roßlau nach Zerbst. Zunächst befand sich hier lediglich eine Lokstation, die später zur Maschinenstation ausgebaut wurde. In den folgenden Jahrzehnten gewann die Anlage zunehmend an Bedeutung. Zwischen 1903 und 1904 sowie ab 1909 erfolgten weitere Ausbauten. 1935 wurde die Betriebsstätte schließlich zum eigenständigen Bahnbetriebswerk erhoben. Zu dieser Zeit arbeiteten dort bis zu 250 Menschen.

Dampflokomotiven prägten den Standort
Wie bei vielen Bahnbetriebswerken dieser Zeit bildete die Versorgung und Wartung von Dampflokomotiven den Schwerpunkt. Ein Ringlokschuppen bot Platz für bis zu 15 Lokomotiven. Eine Drehscheibe ermöglichte es, die Maschinen auf die einzelnen Schuppengleise zu verteilen. Zum notwendigen technischen Umfeld gehörten unter anderem Wasseranlagen und weitere Einrichtungen für die Wartung und Versorgung der Lokomotiven. Ein noch heute vorhandener Wasserturm erinnert an diese Zeit.

Schwerer Kriegsschaden 1945
Der Zweite Weltkrieg hinterließ auch am Bahnbetriebswerk deutliche Spuren. Bei einem Bombenangriff am 16. April 1945 wurde der Ringlokschuppen schwer beschädigt. Nach dem Krieg wurde der Eisenbahnbetrieb wieder aufgenommen. Das Bahnbetriebswerk wechselte dabei mehrfach seine organisatorische Zugehörigkeit: 1955 kam es zur Reichsbahndirektion Magdeburg, 1978 wieder zur Reichsbahndirektion Halle. Mit dem zunehmenden Einsatz von Diesel- und später auch Elektrolokomotiven veränderte sich der Betrieb grundlegend. Die Ära der Dampflokomotiven in Roßlau endete schließlich 1979.
Damit verlor ein wesentlicher Teil der ursprünglichen Infrastruktur seine Funktion. Das Bahnbetriebswerk blieb jedoch weiterhin für den Eisenbahnbetrieb von Bedeutung.




Nach der Wende kommt das Aus
Mit dem Ende der DDR und dem damit verbundenen strukturellen Wandel im Eisenbahnverkehr brach auch der Güterverkehr am Standort deutlich ein. Das eigenständige Bahnbetriebswerk bestand nicht mehr dauerhaft. 1993 wurde das Bw Roßlau dem Bahnbetriebswerk Wittenberg zugeordnet. 1998 endete der Betrieb endgültig. Damit ging eine mehr als 130-jährige Geschichte des Eisenbahnstandorts zu Ende.

Ein Lost Place der Eisenbahngeschichte
Nach der Stilllegung blieben Teile der historischen Anlagen erhalten. Der ehemalige Lokschuppen entwickelte sich zunehmend zu einem verlassenen Ort. Der Wasserturm und weitere Relikte erinnern bis heute an die frühere Funktion des Areals. Der Zustand der ehemaligen Eisenbahnanlagen führte allerdings auch zu Problemen. Im Mai 2025 musste die Feuerwehr zu einem Brand im ehemaligen Lokschuppen ausrücken. Im Gebäude stand ein etwa fünf mal fünf Meter großer Raum in Vollbrand. Wegen der schwierigen Zugänglichkeit waren zusätzliche Arbeiten notwendig, um den Brandherd zu erreichen.

Zeugnis einer vergangenen Eisenbahnepoche
Das Bahnbetriebswerk Roßlau steht beispielhaft für den Wandel der deutschen Eisenbahn. Was einst als wichtige Infrastruktur für Dampflokomotiven entstand, verlor mit der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung der Bahn seine Funktion. Heute sind es vor allem der historische Wasserturm, der ehemalige Lokschuppen und weitere Relikte, die an die Zeit erinnern, als in Roßlau Dampflokomotiven gewartet, mit Wasser versorgt und für ihren nächsten Einsatz vorbereitet wurden.
