Harzgerode. Ein verlassener Krankenhauskomplex im Harz bekommt ungewöhnliche Unterstützung: Rund 360 Wandergesellinnen und Wandergesellen haben sich im Sommer 2026 an einer vierwöchigen Sanierungsaktion in der ehemaligen Kinder-Lungenheilstätte Harzgerode beteiligt. Statt den historischen Gebäuden beim weiteren Verfall zuzusehen, packten die Handwerker unentgeltlich an. Für Kost und Logis arbeiteten sie gemeinsam an der Zukunft des denkmalgeschützten Areals.
Historischer Theatersaal wird saniert
Im Mittelpunkt der Arbeiten stand der alte Theatersaal. Die Gesellen entfernten beschädigten Putz, brachten eine mineralische Innendämmung an und installierten Wandheizungsrohre, die anschließend mit Lehm verputzt wurden. Auch historische Fenster wurden instand gesetzt. Zusätzlich erneuerten die Helfer Garagendächer, bauten einen Spielplatz, legten einen Gemüsegarten an und mauerten einen Pizzaofen.
Die zwischen 1929 und 1931 errichtete Kinder-Lungenheilstätte galt einst als fortschrittlicher Krankenhausbau der Moderne. 1998 wurde die Klinik geschlossen, anschließend stand die rund 21 Hektar große Anlage lange Zeit weitgehend leer. Eine Genossenschaft erwarb das Gelände vor etwa acht Jahren und verfolgt seitdem das Ziel, dort gemeinschaftliches und ökologisches Wohnen zu ermöglichen.
Mit der Sanierung des Theatersaals soll ein Veranstaltungs- und Begegnungsort für die Region entstehen. Die Kosten der vierwöchigen Aktion werden auf bis zu 170.000 Euro geschätzt. Finanziert werden sollen sie unter anderem durch Stiftungsmittel und Crowdfunding. Das Projekt zeigt, dass selbst stark vernachlässigte Denkmäler eine Perspektive haben können, wenn Engagement, traditionelles Handwerk und ein tragfähiges Nutzungskonzept zusammenkommen.
