Plattenbau macht Platz für die Preßnitztalbahn

Jöhstadt. Am Bahnhof Jöhstadt hat ein ungewöhnliches Großprojekt begonnen: Nicht eine Dampflok, sondern ein Spezialbagger bestimmt derzeit das Bild auf dem Gelände der Preßnitztalbahn. Ein seit DDR-Zeiten bestehender Plattenbau wird abgerissen. Das Gebäude hatte jahrzehntelang die Gleisanlagen zwischen Bahnhof und Lokschuppen unterbrochen und soll nun einer umfassenden Modernisierung des historischen Bahnhofsareals weichen. Der Wohnblock entstand Ende der 1980er-Jahre, als der Eisenbahnbetrieb auf der Strecke zwischen Wolkenstein und Jöhstadt bereits eingestellt und Teile der Gleisanlagen entfernt worden waren. Mit dem Abbruch des Gebäudes wird nun ein Relikt dieser Phase beseitigt.

Für die Preßnitztalbahner ist das mehr als ein gewöhnlicher Gebäudeabriss. Der Plattenbau steht sinnbildlich für die Zerstörung der historischen Bahninfrastruktur während der DDR-Zeit. Seine Beseitigung eröffnet erstmals seit Jahrzehnten die Möglichkeit, die frühere Gleisverbindung zwischen Bahnhof und Lokschuppen wiederherzustellen.

Unter dem Namen „Blockfrei“ treibt die Interessengemeinschaft Preßnitztalbahn das Vorhaben seit 2023 voran. Der Verein wirbt dafür auch um Spenden. Die Kosten für das Gesamtprojekt werden derzeit im sechsstelligen Bereich erwartet. Bevor gebaut werden kann, musste das Gebäude vollständig leergezogen werden. Vereinsmitglieder entfernten in Eigenleistung insgesamt 15 Container Restmüll aus dem Plattenbau. Anschließend wurde das Gelände für den Abriss vorbereitet. Der Rückbau ist allerdings nur der erste Schritt. Noch in diesem Jahr sollen möglichst die ersten Tiefbauarbeiten beginnen. Vorgesehen sind unter anderem eine neue Gleisentwässerung und die Verlegung notwendiger Leitungen.

Der eigentliche Gleisbau soll 2027 folgen. Damit könnte eine jahrzehntelang unterbrochene Verbindung auf dem historischen Bahnhofsgelände wiederhergestellt werden. Hinter dem Projekt steckt ein größeres Ziel: Der Bahnhof Jöhstadt soll langfristig zu einem ganzjährig nutzbaren Ausstellungs- und Erlebnisbahnhof entwickelt werden. Historische Fahrzeuge, Bahninfrastruktur und touristische Angebote sollen dabei stärker miteinander verbunden werden.

Der Abriss des Plattenbaus ist deshalb ein sichtbares Signal für einen grundlegenden Wandel: Was einst eine Trennung der Bahnanlagen zementierte, soll künftig wieder zusammenwachsen. Aus einem DDR-Relikt wird Platz für die Zukunft der historischen Schmalspurbahn.

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