Kirche „Zum Guten Hirten“ steht vor dem Abriss

Lohheide. Die evangelische Kirche „Zum Guten Hirten“ im Ortsteil Hasselhorst in der niedersächsischen Lohheide steht vor dem Verkauf und dem Abriss. Das 1954 errichtete Gotteshaus gilt als Symbol des Neuanfangs nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch die dringend notwendige Sanierung würde rund 700.000 Euro kosten – eine Summe, die der zuständige Kirchenkreis Soltau nach eigenen Angaben nicht aufbringen kann. Während der Gemeinde früher rund 2.000 Menschen angehörten, sind es inzwischen nur noch etwas mehr als 400. Der Verkauf des Gebäudes ist für August 2026 vorgesehen; anschließend soll es zeitnah zurückgebaut werden.

Der Fall steht beispielhaft für einen strukturellen Wandel, der die Kirchen zunehmend unter Druck setzt. Nach Einschätzung des NDR-Journalisten Florian Breitmeier werden Kirchenschließungen, Entwidmungen, Umnutzungen und Abrisse in Niedersachsen künftig deutlich häufiger vorkommen. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers rechnet demnach mit einem jährlichen Mitgliederrückgang von etwa drei Prozent. Innerhalb eines Jahrzehnts könnte ihre Finanzkraft um rund ein Drittel sinken. Steigende Sanierungsanforderungen und energetische Vorgaben verschärfen die Lage zusätzlich.

Dabei muss die Aufgabe eines Kirchengebäudes nicht zwangsläufig das Ende seiner baulichen Geschichte bedeuten. Ehemalige Gotteshäuser lassen sich unter anderem zu Wohnheimen, Veranstaltungsorten, Kolumbarien oder anderen öffentlichen Einrichtungen umgestalten. Auch eine gemeinsame Nutzung durch verschiedene Gemeinden oder eine stärkere Öffnung für Vereine und Initiativen kann Perspektiven bieten. Solche Lösungen sind allerdings nicht überall wirtschaftlich tragfähig und können bei denkmalgeschützten Gebäuden erhebliche bauliche Einschränkungen mit sich bringen.

Nach Angaben des NDR wurden seit 2015 im Bereich der hannoverschen Landeskirche etwa 15 Kirchen entwidmet, im katholischen Bistum Hildesheim rund 20. Viele Kirchen besitzen nicht nur religiöse Bedeutung, sondern prägen Ortsbilder, bewahren Baugeschichte und sind Teil des kollektiven Gedächtnisses. Rund 80 Prozent der 2.000 Kirchen und Kapellen der hannoverschen Landeskirche stehen laut NDR unter Denkmalschutz. Das schützt sie zwar vor einem leichtfertigen Abriss, löst aber nicht automatisch die Frage, wer ihren Erhalt finanzieren soll. Der Fall Lohheide zeigt damit ein Dilemma, das künftig vielerorts aufbrechen dürfte: Was geschieht mit einem historischen Gebäude, wenn seine ursprüngliche Funktion schwindet und die Mittel für seinen Erhalt fehlen?

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