Das „schönste Stellwerk Deutschlands“ steckt fest

Gladbeck-Zweckel. Das historische Stellwerk in Gladbeck-Zweckel sollte eigentlich eine neue Zukunft bekommen. Doch vier Jahre nach der Versteigerung des Gebäudes ist aus dem einstigen Hoffnungsträger weiterhin kein neues Projekt geworden. Der Grund liegt ausgerechnet in dem, was das Stellwerk besonders macht: Die historische technische Ausstattung steht vollständig unter Denkmalschutz. Besonders problematisch ist das Spannwerk im Erdgeschoss. Nach den derzeitigen Vorgaben darf die historische Technik nicht entfernt werden. Damit bleibt für eine neue Nutzung nur wenig Raum. Nach Einschätzung der Stellwerkfreunde wäre das Erdgeschoss praktisch nicht nutzbar. Übrig blieben vor allem der Stellwerksraum im Obergeschoss und ein kleiner Außenbereich.

Das 1911 errichtete mechanische Stellwerk wurde Ende 2018 stillgelegt, nachdem die Strecke an ein elektronisches Stellwerk angeschlossen worden war. Die historische Hebelbank, Signal- und Weichenhebel sowie die Spannwerksanlage dokumentieren die Entwicklung der mechanischen Eisenbahnsicherung und sind deshalb selbst Bestandteil des Denkmals.

Über Jahrzehnte war das Gebäude weit über Gladbeck hinaus bekannt. Ein Fahrdienstleiter hatte das Stellwerk mit Blumenkästen geschmückt, später wurde daraus ein regelrechtes Blumenmeer. Medien tauften es deshalb „schönstes Stellwerk Deutschlands“. Heute ist von dieser Blütezeit wenig geblieben. 2022 wurde das Gebäude schließlich für 15.500 Euro versteigert. Die Stellwerkfreunde, die es erhalten und als Ort der Begegnung zugänglich machen wollten, gingen leer aus. Der neue Eigentümer hat inzwischen auf dem Grundstück erste Arbeiten durchgeführt, doch die Frage der künftigen Nutzung ist weiterhin ungelöst.

Der Fall Zweckel zeigt ein grundsätzliches Problem beim Umgang mit technischen Denkmalen: Die historische Substanz soll erhalten werden – gleichzeitig braucht ein leerstehendes Gebäude eine Nutzung, damit es langfristig Bestand hat. Bleibt die Technik unangetastet, wird die Nutzung schwierig. Wird sie verändert, steht der Denkmalschutz im Weg.

Noch ist das Stellwerk kein Abbruchkandidat. Aber je länger eine tragfähige Lösung ausbleibt, desto größer wird das Risiko, dass aus einem außergewöhnlichen technischen Denkmal endgültig ein dauerhaft leerstehender Lost Place wird.

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