Kassel. In der Kasseler Goethestraße bietet sich Passanten derzeit ein eindrucksvolles Schauspiel: Unter lautem Krachen frisst sich ein Longfrontbagger durch die Backsteinfassade des alten H-Trakts der Agaplesion Diakonie Kliniken. Stück für Stück bricht das Gebäude in sich zusammen, während Wasserstrahlen den Staub bändigen und Container sich mit Schutt füllen. Nach monatelanger Entkernung läuft seit Dienstag der eigentliche Abriss – und schneller als erwartet.
Projektkoordinator Jürgen Schade spricht von „Aufatmen“: Endlich werde die Hülle des seit 2017 leerstehenden Trakts entfernt. Der Bereich zwischen Mutterhaus und dem verbliebenen Gebäudeteil verwandelt sich aktuell zum Kern einer Großbaustelle. Ein Teil der Fassade ist bereits verschwunden, durch die neue Baulücke reicht der Blick nun bis tief ins Klinikgelände.
Der Abriss ist Startschuss für ein umfassendes Modernisierungsprojekt. An die Stelle des historischen Trakts entsteht ein Neubau mit 100 zusätzlichen Betten und modernen Funktionsbereichen – darunter Notaufnahme, CT, Röntgen und Schockraum. Die Klinik, deren Ursprünge bis 1883 zurückreichen, versorgt heute rund 30.000 Patientinnen und Patienten pro Jahr.
„In zwei Tagen haben wir ein Viertel geschafft“, erklärt Bauleiter Jakob Feiler vom Büro AGC. Während ein Bagger Mauern niederreißt, sortiert der zweite Holz und Metall für die getrennte Entsorgung. Bis zu 150 Lkw-Fahrten könnten nötig sein, um den Bauschutt vollständig abzutransportieren. Bereits Ende nächster Woche sollen alle Wände fallen, bis zum 19. Dezember soll das Gelände vollständig geräumt sein.
Der Klinikbetrieb läuft derweil nahezu störungsfrei weiter. Lediglich fünf Zimmer werden verlegt, Fenster mit Holzplatten gegen herabfallenden Schutt geschützt. Beschwerden hält sich die Klinik zufolge in Grenzen – der Abriss sei deutlich leiser als die Betonsägearbeiten zuvor. Nur wenn eine ganze Wand fällt, wackle schon mal die Teetasse im Mutterhaus.
