Lorch. Der historische Wehrturm Strunk in Lorch im Rheingau-Taunus-Kreis soll umfassend gesichert und instandgesetzt werden. Für die Arbeiten an der Außenschale stellt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) 50.000 Euro zur Verfügung. Das Geld stammt aus privaten Spenden sowie aus Erträgen der Lotterie GlücksSpirale. Besonders im Fokus steht der stark prägende Zinnenkranz des mittelalterlichen Rundturms. Der heute für kommunale Veranstaltungen und öffentliche Führungen genutzte Turm ist ein bedeutendes Zeugnis der historischen Stadtbefestigung von Lorch. Sein Erhalt soll nun durch gezielte Maßnahmen an der Außenhülle langfristig gesichert werden.
Wehrturm schützte einst Wispermündung und Brücke
Der sogenannte Strunk wurde 1448 errichtet und erfüllte ursprünglich eine wichtige militärische Funktion. Von seinem Standort aus konnte die Mündung der Wisper sowie die Wisperbrücke überwacht und geschützt werden. Damit war der Rundturm ein Bestandteil der mittelalterlichen Befestigungsanlagen der Stadt. Sein Aufbau ist ungewöhnlich kompakt: Zwei gewölbte Geschosse sind übereinander angeordnet. Im Untergeschoss befand sich einst ein Verlies, während das Obergeschoss über vier Wehrkammern verfügte. Den Abschluss bildet eine Wehrplatte mit Zinnen. Heute erinnert der Strunk damit unmittelbar an eine Zeit, in der die Sicherung von Verkehrswegen und Stadteingängen eine zentrale Aufgabe der Stadtbefestigung war.
Zinnenkranz steht im Mittelpunkt der Arbeiten
Bei der nun geförderten Maßnahme geht es insbesondere um die Außenschale und den Zinnenkranz des Turms. Der obere Abschluss des Bauwerks wurde bereits 1880 repariert und weist unterschiedliche Bau- und Reparaturphasen auf. Gerade diese historischen Veränderungen machen die fachgerechte Instandsetzung anspruchsvoll. Auch das Mauerwerk erzählt von der langen Geschichte des Bauwerks. Der Turm besteht überwiegend aus Grauwacke, ergänzt durch mittelalterliche Backsteine. Als Bindemittel wurde ein heller, relativ fester Mörtel verwendet, dem unter anderem Kiesel, Schieferbruch und kleine Kalkstücke beigemischt sind.
Historische Bausubstanz soll möglichst erhalten bleiben
Eine Besonderheit des Wehrturms ist, dass der historische Setzmörtel teilweise noch bis in die äußeren Fugenbereiche erhalten ist. Der Zinnenkranz unterscheidet sich dagegen durch helleres Steinmaterial und einen feineren, dunkleren Mörtel. Im Bereich des Treppenturms finden sich wiederum deutlich kompaktere Steine und vermutlich zementhaltiger Mörtel. Dabei dürfte es sich um eine spätere Reparatur handeln. Die unterschiedlichen Materialien geben damit Hinweise auf die verschiedenen Phasen, in denen der Turm verändert oder instandgesetzt wurde.
Bei der Sanierung kommt es deshalb darauf an, nicht einfach beschädigte Bereiche durch moderne Materialien zu ersetzen. Vielmehr soll die historische Substanz so weit wie möglich bewahrt und mit denkmalgerechten Verfahren stabilisiert werden.
Markantes Zeugnis der mittelalterlichen Stadtbefestigung
Der Strunk gehört zu den auffälligsten erhaltenen Bestandteilen der historischen Befestigung von Lorch. Seine besondere Bauform und die Kombination aus Rundturm, Wehrkammern, Gewölben und Zinnen machen ihn zu einem aussagekräftigen Beispiel mittelalterlicher Wehrarchitektur. Auch die Denkmalpflege in Hessen misst dem Bauwerk eine besondere Bedeutung bei. Das Landesdenkmalverzeichnis beschreibt den Turm als kräftigen Rundturm aus dem 15. Jahrhundert mit gewölbtem Unter- und Obergeschoss sowie einem angesetzten polygonalen Treppenturm.
Heute Denkmal und Veranstaltungsort
Seine militärische Funktion hat der Strunk längst verloren. Heute wird der historische Turm für kommunale Zwecke und öffentliche Führungen genutzt. Damit besitzt das Bauwerk weiterhin eine Funktion innerhalb des städtischen Lebens. Gerade diese Nutzung trägt dazu bei, den Wehrturm nicht lediglich als historisches Relikt zu bewahren, sondern ihn als Teil der Stadtgeschichte erlebbar zu machen. Die nun anstehende Sicherung soll dafür sorgen, dass dies auch künftig möglich bleibt.
